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Berufliche Vorsorge – Was Sie bei einem Jobverlust beachten sollten

Ein Jobverlust ist oftmals eine unangenehme Situation – damit sie nicht auch noch bei der Pensionskasse Einbussen erleiden, sollten Sie bezüglich der beruflichen Vorsorge einiges beachten. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, was genau.

Zusammenfassung: Wichtige Gesetzesartikel des BVG (Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge) in Bezug zum Jobverlust
Artikel 1: Zweck der beruflichen Vorsorge
Artikel 47: Ausscheiden aus der obligatorischen Versicherung

Die NZZ beschreibt die gesetzlichen Grundlagen:

Im Januar waren in der Schweiz rund 40 000 Personen im Alter von 50 Jahren oder mehr arbeitslos gemeldet, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mitgeteilt hat. Im Vergleich mit dem gleichen Vorjahresmonat sind das 4,7% weniger. Zur Euphorie besteht trotzdem kein Anlass. So klagen viele über 50-jährige Arbeitslose darüber, wie schwierig es sei, wieder eine Stelle zu finden. Dies zeigt sich auch in der Statistik: So sind laut Seco 45% der Personen, die in der Schweiz seit mehr als einem Jahr arbeitslos sind, 50 Jahre oder älter. Diese Gruppe umfasst knapp 10 000 Personen. Verliert jemand im fortgeschrittenen Alter die Stelle, ist also die Jobsuche oft ein nicht zu unterschätzendes Problem. Doch damit nicht genug – es droht auch die Gefahr, aus der beruflichen Vorsorge keine Rente zu erhalten, sondern sich das Kapital auszahlen lassen zu müssen.

Hürden der Steuerbehörden

Nach einer Entlassung stellt sich vielen Arbeitnehmern die Frage: Wie weiter mit der beruflichen Vorsorge? Viele haben nicht die Möglichkeit, nach der Kündigung bei ihrer Vorsorgeeinrichtung weiter versichert zu bleiben. Dies zeigt die Gesetzeslage. So heisst es in Artikel 1 Absatz 2 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG), dass der in der beruflichen Vorsorge versicherbare Lohn oder das versicherbare Einkommen der Selbständigerwerbenden das AHV-Beitrags-pflichtige Einkommen nicht übersteigen darf. Dies spricht zunächst einmal dagegen, gekündigte Arbeitnehmer weiter in der Pensionskasse zu versichern. In Artikel 47 Absatz 1 BVG jedoch heisst es, dass ein Versicherter, der aus der obligatorischen Versicherung ausscheidet, seine Vorsorge bei derselben Vorsorgeeinrichtung fortführen kann – sofern deren Reglement dies zulässt. Die Praktiken der Pensionskassen diesbezüglich sind sehr unterschiedlich. Manche Pensionskassen bieten Entlassenen die Möglichkeit, in der Kasse zu bleiben und die Beiträge selber zu zahlen. Allerdings müssen die betroffenen Personen dann auch die Beiträge des Arbeitgebers übernehmen, was sich die wenigsten leisten können – zumal sie ja ohne Stelle dastehen.

(…)

Soweit die grundsätzliche Problematik. Die Basler Zeitung gibt nun konkrete Tipps zu diesem Thema:

Bei einem Jobverlust scheidet man auch aus der Pensionskasse aus, sofern man nicht innert sechs Monaten eine neue Stelle findet. Dies ist leider bei älteren Arbeitnehmern oft der Fall. Ihr Altersguthaben können sie dann auf maximal zwei verschiedene Freizügigkeitseinrichtungen aufteilen und übertragen lassen. Ohne Anschluss an eine Pensionskasse entfällt jedoch die Wahlmöglichkeit für den Bezug einer Altersrente. Arbeitnehmer, die aus der obligatorischen Vorsorge (AHV-Lohnanteile bis 84 600 Franken) ausscheiden, haben das Recht, ihre Vorsorge innert dreier Monate nach Ausscheiden bei der Auffangeinrichtung BVG beitragspflichtig weiterzuführen. 

Für die überobligatorische Vorsorge gibt es inzwischen erste Freizügigkeitsstiftungen, welche die Möglichkeit einer lebenslänglichen Altersrente, verbunden mit einer optionalen Partnerrente ab einem Vorsorgeguthaben von 100 000 Franken ermöglichen. Bereits ab Alter 59 für Frauen resp. Alter 60 für Männer kann eine flexible, lebenslänglich garantierte Altersrente organisiert werden. 

Es kann sich lohnen, den Bezug möglichst lang aufzuschieben. Solange sich das Kapital in einer Freizügigkeitsstiftung befindet, sind weder die erzielten Zins- und Dividendenerträge im steuerbaren Einkommen noch das Vorsorgekapital im steuerbaren Vermögen der persönlichen Steuererklärung zu deklarieren. Spätestens sechs Monate vor Erreichen von Alter 69 für Frauen respektive 70 für Männer muss der Entscheid für einen allfälligen Bezug einer Rente gefällt werden.

Auch eine Kombination von Kapital- und Rentenbezug ist möglich und erlaubt eine bedarfsorientierte, persönliche Ausgestaltung der Einkommenssicherung im Alter. Dabei erfolgt der gemessen am Gesamtkapital meist untergeordnete obligatorische BVG-Anteil in jedem Fall als Kapitalauszahlung und der meist grössere, überobligatorische Anteil kann bis zu 100 Prozent als Rente bezogen werden. Auf Wunsch kann stufenweise eine Partnerrente eingeschlossen werden, deren Höhe individuell festgelegt werden kann. 

Als Einkommen zu versteuern 

Der Satz, mit dem das Kapital in eine lebenslang garantierte Rente umgewandelt wird, bewegt sich zwischen den zu hohen BVG-Umwandlungsätzen der Pensionskassen und einer privaten Leibrente. Beispielsweise erhält ein 65-jähriger Mann ohne Einschluss einer Partnerrente einen Umwandlungssatz von 5,05 Prozent, das heisst bei einem Kapital von rund 475 000 Franken resultiert eine Rente pro Monat von 2000 Franken.

Altersrenten aus einer Freizügigkeitsstiftung sind wie die Renten aus der Pensionskasse oder der AHV vollumfänglich als Einkommen zu versteuern. Sie sind insbesondere für Personen interessant, welche die statistische Restlebenserwartung übertreffen, monatlich garantierte Einnahmen wünschen und ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben.

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