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Damit die Renten nicht sinken: Dringend notwendige BVG-Revision!

In zur Tamedia-Gruppe gehörenden Zeitungen werden heute unter dem Titel „Wegen Pensionskassen sinkt die Altersrente“ die Konsequenzen der sinkenden Umwandlungssätze thematisiert. Dabei fällt auf, dass die Ergebnisse, die vom VZ Vermögenszentrum berechnet wurden (Pensionierungs-Barometer 2019), deutlich von einer Studie von Swisscanto abweichen. Diese kam kürzlich zum Schluss, dass mit einer „errechneten durchschnittlichen Ersatzquote von 69% bei einem Lohn von CHF 80‘000 für die Gesamtheit der an der Befragung teilnehmenden Pensionskassen aus 1. und 2. Säule weiterhin die informelle Vorgabe von 60% für die Fortsetzung der gewohnten Lebensführung deutlich übertroffen wird.“ Primärer Grund dafür ist, dass die Verzinsung über die letzten 30 Jahre deutlich über dem Lohnwachstum lag. Aus den Senkungen der technischen Zins- und Umwandlungssätze in der weitergehenden Vorsorge kann daher nicht automatisch geschlossen werden, dass das (gesetzliche) BVG nicht ausreicht, um, zusammen mit der AHV, 60% des letzten Lohnes zu erreichen. Das VZ Vermögenszentrum ist schon in der Vergangenheit damit aufgefallen, die nicht zu leugnenden Herausforderungen, mit denen sich die 2. Säule konfrontiert sieht, schlechter darzustellen, als sie sind.
In Erinnerung zu rufen ist zudem, dass es nicht die Pensionskassen sind, sondern die Sozialpartner, die verantwortungsvoll nach Lösungen für ihre Versicherten suchen. Die Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter in den obersten Organen der Pensionskassen müssen sich bei ihren konkreten, kassenbezogenen Entscheiden über die Höhe des Umwandlungssatzes an den Realitäten der weiterhin steigenden Lebenserwartung und des Tiefzinsumfeldes orientieren. Alles andere wäre fahrlässig. Der gesetzliche Mindest-Umwandlungssatz ist heute zu hoch und trägt den veränderten Rahmenbedingungen nicht Rechnung. Der Umwandlungssatz berechnet, wie viel Rente jedes Jahr ausgezahlt werden kann, damit das angesparte Kapital bis zum Lebensende reicht. Die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Umwandlungssatz hängt deshalb vor allem davon ab, um wie viel die Lebenserwartung noch weiter ansteigt (und wie sich die Finanzmärkte entwickeln).

Durch die Senkung des Umwandlungssatzes wird zudem eine in der beruflichen Vorsorge nicht vorgesehene Umverteilung von Jung zu Alt unter Beachtung der Generationensolidarität korrigiert. Wenn immer möglich, erfolgen die Senkungen über einen längeren Zeitraum, und die Leistungskürzungen werden mit einer Verstärkung des Sparprozesses oder mit zusätzlichen Einlagen für die älteren Versicherten abgefedert. Schliesslich müssen auch diejenigen Pensionskassen, die insgesamt tiefere Umwandlungssätze als das gesetzliche Minimum vorsehen, den Nachweis erbringen, dass sie die gesetzlichen Vorgaben bei Alter, Tod, Invalidität oder Dienstaustritt einhalten.

Nicht zu bestreiten ist die Tatsache, dass die den veränderten Rahmenbedingungen angepassten Umwandlungssätze insgesamt zu einer Leistungsanpassung führen. Die skizzierte Entwicklung zeigt: Damit wir die Renten sichern können, ist eine BVG-Revision dringend notwendig. Der ASIP hat im Mai einen Vorschlag präsntiert, bei dem die Renten nicht sinken und tiefe Löhne besser gestellt wären als heute. 

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