Sie sind hier

Den Rentenzuschlag modifizieren, in der beruflichen Vorsorge keine «Schatten-AHV»

Was immer man über den BVG-Reformvorschlag der so genannten Sozialpartner denken mag, eins kann man ihm nicht abstreiten: er hat in der Branche einen Kreativitätsschub ausgelöst, wie man ihn im Zusammenhang politischer Diskussionen bisher kaum kannte. Denn der Plan, nach dem Giesskannenprinzip einen Rentenzuschlag einzuführen, der auf unbestimmte Zeit die erste und zweite Säule miteinander beschränkt und deshalb auch zu gar nicht berechenbaren, aber enormen Zusatzkosten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer führt, muss auf jeden Fall verhindert werden. Darin sind sich die meisten Fachleute und sehr viele politische Akteure einig. 

Der jüngste Vorschlag zur Verhinderung des Angriffs auf das Drei-Säulen-Prinzip stammt aus der Feder von Matthias Wiedmer und Benno Ambrosini, Pensionskassen-Experten bei der Libera AG, nachzulesen in der heutigen NZZ:

"In einer auf zehn Jahre beschränkten Übergangszeit erhalten nur diejenigen Neurentner einen einheitlich auf monatlich 200 Franken festgelegten lebenslangen Rentenzuschlag, bei welchen die Altersrente aus der Pensionskasse tiefer ausfällt als die sogenannte BVG-Schattenaltersrente. Dabei wird die BVG-Schattenaltersrente einfach und pragmatisch aus dem bei Pensionierung vorhandenen BVG-Altersguthaben mit dem bisherigen BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8 Prozent berechnet. Der Rentenzuschlag wird dezentral von den betroffenen Pensionskassen mittels Rückstellungen oder allenfalls über Beiträge finanziert. Mit einer solchen Übergangsregelung wird den wirklich von der Reduktion des BVG-Mindestumwandlungssatzes betroffenen Versicherten geholfen. Ebenso sind diejenigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, deren Pensionskassen ihre Umwandlungssätze bereits stärker auf ein realistisches Niveau gesenkt haben, nicht zur Zahlung von Umlagebeiträgen verpflichtet." 

Das entspricht weitgehend den Zielen, die auch auch die Pensionskassen mit ihrem durch den ASIP schon im Mai lancierten Vorschlag verfolgen: 

  1. Reduktion der systemfremden Umverteilung durch Senkung des BVG-Mindest-Umwandlungssatzes.
  2. Trotz Senkung des  BVG-Mindest-Umwandlungssatzes muss das Rentenniveau erhalten bleiben, es darf also keine Rentensenkung geben. Dies gelingt, indem während des Arbeitslebens mehr gespart wird. 
  3. Zahlung einer Kompensation für die Übergangsgeneration, die bis zur Pensionierung nicht mehr genügend Zeit hat, den niedrigeren Umwandlungssatz durch höhere Sparbeiträge zu kompensieren.
  4. Kompensation nur für die, die es wirklich nötig haben
  5. Versicherte, deren Pensionskassen schon von sich aus die notwendigen Massnahmen eingeleitet haben, sollen nicht ein zweites Mal zur Kasse gebeten werden, um die Versicherten jener Pensionskassen querzusubventionieren, die bisher noch abwarten. In der zweiten Säule soll weiterhin das Prinzip gelten, dass jeder für sich selbst (im Kollektiv der eigenen Pensionskasse) spart. 
Categories: 

Blog Buttons Bottom