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Der Wunsch nach einer optimalen Work-Life-Balance

Der Wunsch nach einer optimalen Work-Life-Balance wird heutzutage von vielen Arbeitnehmenden in der Schweiz gross geschrieben. Jedoch verkleinert sich bei Teilzeitarbeit auch die Vorsorge, was vielen Teilzeitarbeitenden oft nicht ausreichend bewusst ist.
Dieser Ratgeber zu vorsorge- und steuerwirksamen Möglichkeiten rund um die freiwillige berufliche Vorsorge (BVG), richtet sich an Teilzeitarbeitende sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gleichermassen. Hier erfahren Sie, was es in der Praxis zu beachten gilt.

Berufliche Vorsorge

Grundsätzlich sind alle Personen, die bei der AHV versichert sind, bei der Pensionskasse anzumelden. Nicht zu versichern sind Personen, die bereits im ordentlichen Rentenalter sind. Ebenfalls nicht zu versichern sind Personen, meist Teilzeiterwerbstätige, die ein Bruttoeinkommen von weniger als 21 150 Franken pro Jahr erzielen.
Allerdings kann eine Vorsorgevereinbarung auch eine tiefere Limite vorsehen, sodass diese immer zu prüfen ist. Zudem sind Personen von der Versicherungspflicht ausgenommen, die nebenberuflich tätig sind und bereits für eine hauptberufliche Erwerbstätigkeit obligatorisch BVG-versichert oder im Hauptberuf selbständig erwerbstätig sind. Gut zu wissen ist, dass man in der beruflichen Vorsorge (BVG) freiwillige Versicherungsmöglichkeiten hat.
Freiwillige Versicherungsmöglichkeiten: Vorab muss für jedes Einkommen geprüft werden, ob die BVG-Eintrittsschwelle von 21 150 Franken pro Jahr (Stand 1. Januar 2018) bei einem Arbeitgeber erreicht wird. Wenn ja, unterliegt dieses Einkommen (Arbeitgeber 1) zwingend der BVG-Versicherungspflicht. Sind weitere nicht versicherte Einkommen aus Teilzeitarbeit vorhanden, die unterhalb der Eintrittsschwelle liegen, haben Arbeitnehmende freiwillige Vorsorgemöglichkeiten. Der nicht versicherte Lohn aus einer weiteren Teilzeitarbeit (Arbeitgeber 2) kann in der bestehenden Vorsorgeeinrichtung bei Arbeitgeber 1 versichert werden, falls deren reglementarische Bestimmungen dies vorsehen. Eine weitere Versicherungsmöglichkeit bietet die Stiftung Auffangeinrichtung (www.chaeis.net).
Übersteigt kein Lohn aus der Tätigkeit bei mehreren Arbeitgebern die BVG-Eintrittsschwelle von mehr als 21 150 Franken pro Jahr, so unterliegt man keiner BVG-Versicherungspflicht. Freiwillige Versicherungsmöglichkeiten können insbesondere dann genutzt werden, wenn der Gesamtbetrag aller Einkommen über der BVG-Eintrittsschwelle liegt. Wird die Eintrittsschwelle gesamthaft betrachtet überschritten, können sich Arbeitnehmende freiwillig bei der Stiftung Auffangeinrichtung oder bei der Vorsorgeeinrichtung eines Arbeitgebers versichern lassen, sofern deren reglementarische Bestimmungen dies vorsehen.
Freiwillige Versicherung gleich Freiwillige Finanzierung? Nein! Die Finanzierung ist auch bei einem freiwilligen Versicherungsanschluss gesetzlich geregelt. Teilzeiterwerbstätige, die freiwillig einen BVG-Anschluss wünschen, haben gesetzlich Anspruch darauf, dass sich Arbeitgebende an den Beiträgen zu mindestens der Hälfte beteiligen. Im Sinne einer Schutzfunktion kann ein Begehren gestellt werden, dass die Vorsorgeeinrichtung das Inkasso gegenüber dem Arbeitgeber übernimmt. Wichtig: Arbeitnehmende, die Lohnbestandteile freiwillig versichern lassen, müssen den Arbeitgeber darüber informieren. Der Arbeitgeber ist erst für die Versicherungszeit nach erfolgter Mitteilung seinerseits beitragspflichtig.
Schlussfolgerung: Teilzeitmitarbeitende mit mehreren Arbeitgebern sollten ihre Vorsorgesituation prüfen. Ein Blick in das BVG-Reglement des Arbeitgebers lohnt sich. Auch Arbeitgeber sollten die Vorsorgesituation ihrer Mitarbeitenden überprüfen. Eine gute Pensionskasse kann ein gewichtiges «Verkaufsargument» sein, wenn es eine neue Stelle zu besetzen gibt.

Bieler Tagblatt; 14.05.2018; Alain Wirth

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