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Die grössten AHV-Mythen

Viele haben ein falsches Bild von der AHV. Sie ist von Irrtümern umrankt. „Wer nichts verdient, zahlt nichts. Frühpensionierung ist nur etwas für Grossverdiener. Pensioniert wird die Frau mit dem 64. und der Mann mit dem 65. Geburtstag.“ Diese und weitere falsche oder nicht ganz korrekte Annahmen werden im folgenden Artikel aus dem Beobachter aufgelöst. 

 

Ab wann zahlt die AHV?

 

Mit 64/65 kommt die AHV automatisch, denn die Ausgleichskasse hat ja meine Angaben.

 

Nein. Der Bezug der Rente muss angemeldet werden. Frauen sollten sich drei Mo­nate vor dem 64. Geburtstag, Männer drei Mo­nate vor dem 65. Geburtstag bei der letzten zuständigen Ausgleichskasse melden. Das garantiert, dass die Rente pünktlich ausbezahlt wird.

 

Pensioniert wird die Frau mit dem 64. und der Mann mit dem 65. Geburtstag.

 

Nicht ganz. Erst am Ende des Monats, in dem das AHV-Alter erreicht wird, ist man wirklich rentenberechtigt. Die erste Zahlung gibt es im darauffolgenden Monat, meist zwischen dem sechsten und dem zehnten Arbeitstag.

 

 

Höhere AHV/IV-Renten ab 2019

Per 1. Januar 2019 steigt die Minimalrente der AHV/IV von derzeit 1175 auf 1185 Franken pro Monat. Ebenso steigt die Maximalrente um 20 Franken neu auf 2370 Franken pro Monat. Dies hat der Bundesrat an seiner Sitzung vom 21. September beschlossen. Im Gegenzug werden jedoch auch die Mindestbeiträge der Selbständigerwerbenden sowie der Nichterwerbstätigen für AHV, IV und EO von 478 auf 482 Franken pro Jahr erhöht.

Auch bei den Ergänzungsleistungen wird es Anpassungen geben, was die Anrechnung der Ausgaben für den allgemeinen Lebensbedarf betrifft. Der Betrag für die Deckung steigt von aktuell 19'290 auf 19'450 Franken pro Jahr für Alleinstehende, von 28'935 auf 29'175 Franken für Ehepaare und von 10'080 auf 10'170 Franken für Waisen. Für Hilflose werden die Entschädigungen angepasst.

Aufgrund der erhöhten AHV/IV-Renten wird in der obligatorischen beruflichen Vorsorge der Koordinationsabzug von 24'675 auf 24'885 Franken angepasst. Ebenso die Eintrittsschwelle, die bestimmt, ab welchem Mindestjahreslohn man bei der Pensionskasse versichert ist. Diese steigt von 21'150 auf 21'330 Franken. Im Gegenzug wird bei der gebundenen Selbstvorsorge (Säule 3a) der maximal erlaubte Steuerabzug von jährlich 6768 auf 6826 Franken nach oben korrigiert.

Was heute bei der AHV gilt und was weitverbreitete Irrtümer sind, lesen Sie nachfolgend.

Update vom 24.09.2018

 

 

Frühpensionierung ist nur etwas für Grossverdiener.

 

Ein Jahr die AHV vorzubeziehen reduziert die künftige Rente um 6,8 Prozent – bei zwei Jahren Vorbezug sind es 13,6 Prozent. Die Kürzung bleibt während des ganzen Rentenalters bestehen. Um sie aufzufangen, braucht es beträchtliche finanzielle Mittel.

 

Also nichts für Kleinverdiener? Doch! Denn Kleinverdiener haben oft einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Diese kann man bereits in den Vorbezugsjahren beanspruchen und sich damit die Einbusse der Vorbezugskürzung lebenslang ausgleichen.

 

Ein Rentenaufschub bringt nicht viel.

 

Irrtum. Wer sich seine Rente um bis zu fünf Jahre verkneift, kann später mit einem sehr viel höheren Renteneinkommen rechnen.

 

Konkret: Wer nach dem offiziellen Rentenalter noch ein Jahr länger arbeiten kann und möchte, hat 5,2 Prozent mehr Rente. Und wer fünf Jahre auf die AHV wartet, vergrössert seine Rente gar um rund einen Drittel. Bei Ehepaaren mit plafonierten Renten lohnt es sich, den Aufschub genau zu berechnen.

Wie funktioniert die AHV?

 

 

Wie viel muss man einzahlen?

 

Wer nichts verdient, zahlt nichts.

 

Das stimmt so nicht. Ein Hausmann oder die Hausfrau, Studierende oder Privatiers müssen ebenso AHV-Beiträge entrichten. Nichterwerbstätige zahlen ab dem Jahr, in dem sie 21 Jahre alt werden (Erwerbstätige ab 18 Jahre).

 

Ist jemand in einer eingetragenen Partnerschaft oder verheiratet, werden die Beiträge über den arbeitenden Partner finanziert, sofern der erwerbstätige Teil mindestens zu 50 Prozent arbeitet und 956 Franken AHV-Beitrag bezahlt.

 

Als Frühpensionierter bezahle ich keine AHV-Beiträge mehr.

 

Eine weit verbreitete Annahme – aber eine falsche. Die AHV-Beitragspflicht bleibt immer bis zum Alter von 65 Jahren (Frauen 64) bestehen. Je nach Renteneinkommen und Vermögen können die jährlichen AHV-Beiträge bis zu 23'900 Franken pro Person betragen. Wenn ein Ehepartner noch erwerbstätig ist, entfällt auch hier die Beitragspflicht.

 

Mein Arbeitgeber hat die AHV nicht bezahlt – aber das kann mir egal sein, die AHV wird ihn mahnen.

 

Irrtum. Für jeden Versicherten führt die AHV ein sogenanntes individuelles Konto. Es lohnt sich, alle fünf Jahre einen Auszug davon zu bestellen und nachzusehen, ob der Arbeitgeber die vom Lohn abgezogenen AHV-Beiträge auch wirklich bei der Ausgleichskasse einzahlt.

 

Gibt es Lücken, muss man die AHV innert 30 Tagen auf die Fehler aufmerksam machen. Damit solche Ausstände aber beweisbar sind, müssen sämtliche Lohnabrechnungen fein säuberlich aufbewahrt werden.

 

 

Das Splitting der AHV-Konten bei Ehepartnern erfolgt nur bei einer Scheidung.

 

Nicht ganz. «Splitting» heisst, dass AHV-technisch die Einkommen während der Ehe auf die Konten beider Partner aufgeteilt werden. Das geschieht einerseits nach einer Scheidung, aber auch, wenn der zweite Ehepartner eine Rente der AHV oder der Invaliden­versicherung erhält.

 

Es lohnt sich, in den letzten Arbeitsjahren noch möglichst viel in die AHV einzubezahlen, um eine hohe Rente zu bekommen.

 

Falsch. Bei der Rentenberechnung sind alle Beitragsjahre wichtig. Einkommen, das länger zurückliegt, wird mit einem Aufwertungsfaktor auf das heutige Niveau angepasst. Das letzte Rentenjahr wird überhaupt nicht in die Berechnung einbezogen. Im Dezember Geborene bezahlen hier zwölf Monate AHV-Beiträge ein, ohne dass diese je rentenwirksam werden.

Beobachter; 22.08.2018; Anita Hubert 

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