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Ein tieferer Umwandlungssatz bedeutet ein länger anhaltendes Kapital

Nicht zum ersten Mal kritisieren Gewerkschaften Pläne den Mindestzinssatz zu senken. Ihrer Meinung nach ist er jetzt schon zu niedrig. Dabei wird die Tatsache, dass man nicht sowohl einen hohen Mindestzins als auch einen zu hohen Umwandlunssatz gleichzeitig haben kannn, komplett ignoriert. 

 

Die Eidgenössische Kommission für berufliche Vorsorge (BVG-Kommission) empfiehlt dem Bundesrat, den Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge für 2019 von heute 1% auf künftig 0.75% zu senken. Der Mindestzinssatz bestimmt die Mindestverzinsung der Pensionskassenguthaben (2. Säule). Theoretisch gilt: Je tiefer der Satz, desto weniger wachsen die Guthaben der Versicherten.

Gewerkschaften reden vom „Rentenklau“ und fordern sowohl einen hohen Mindestzins als auch einen, aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung, zu  hohen Umwandlungssatz. Solange der Mindestumwandlungssatz zu hoch ist, muss der Mindestzins möglichst niedrig sein, um die ungewünschte Umverteilung von Jung zu Alt zu finanzieren. Warum das so ist erklärt der folgende Text.  

 

Im Laufe ihres Arbeitslebens zahlt jede Schweizerin und jeder Schweizer Geld in ihre Pensionskasse ein, welches später der Finanzierung ihrer Rente dient. Damit die Pensionskasse eine möglichst hohe Rente auszahlen können, legen sie das Geld schon während des Arbeitslebens ertragsbringend an. Zum Zeitpunkt der Pensionierung stehen deshalb zusätzlich zum angesparten Kapital, die während des Arbeitslebens erwirtschaftete Rendite zur verfügung. Diese Summe soll bis zum Lebensende ausreichen. Um die jährliche Rente zu berechnen, könnte man die Summe einfach durch die Anzahl Jahre dividieren, die ein Rentner aufgrund seiner Lebenserwartung Rente bezieht. Doch ganz so simpel ist es nicht. Denn die Pensionskassen legen das Geld weiterhin ertragsbringend an, so dass sie den Rentnern jedes Jahr sogar ein klein wenig mehr auszahlen können. Rentner deren angespartes Kapital nicht bis zum Lebensende reicht, weil sie länger als der Durchschnitt leben, müssen sich aber heute noch keine Sorgen machen, sie bekommen ihre Rente bis zum Schluss, wie versprochen. Das ist nur deshalb möglich, weil man in der zweiten Säule nicht nur für sich selbst spart, sondern alle Gelder in einem einzigen gemeinsamen Topf der Pensionskassen verwaltet werden. Man nennt dies Kollektivsparen. Dadurch können die Pensionskassen sicherstellen, dass jeder bekommt, was ihm versprochen wurde. 

Je früher die Rente beginnt und je länger man lebt, desto länger dauert die Pensionierung. Und je länger die Pensionierung dauert, desto mehr Kapital ist nötig um die Rente zu finanzieren. Und genau das ist heute ein Problem, weil die Lebenserwartung seit Jahrzehnten ansteigt, haben Neurentner heute in der Regel zu wenig Kapital gespart. Ihre Renten müssen durch die arbeitende – beitragszahlende – Bevölkerung quersubventioniert werden (die sogenannte Umverteilung von Jung zu Alt). Denen fehlt dieses Geld dann für die eigene Rente. Die Ursache für diese Umverteilung wäre zu beheben, wenn der Mindest-Umwandlungssatz gesenkt würde. Somit wären die Kassen nicht mehr dazu verpflichtet so hohe Monatsrenten zu zahlen, und das angesparte Kapital würde bis zum Lebensende der Rentner reichen. 

Da dies aber nicht der Fall ist, fällt das finanzielle Gleichgewicht aus dem Lot. Um es wieder herzustellen, muss das System neu justiert werden. Die Lebenserwartung können wir nicht beeinflussen. Der zukünftige Ertrag ist unsicher und seine Berechnung spekulativ. Man kann das Renteneintrittsalter erhöhen, dann sparen wir länger und mehr und das Geld reicht lange genug. Man kann das angesparte Kapital auch rationieren, wie das Wasser bei einer Wüstenwanderung, damit es länger reicht. Dazu wird der sogenannte Umwandlungssatz gesenkt. Mit ihm wird aus dem Altersguthaben die monatliche Rente berechnet. Je geringer diese Monatsrente, desto länger reicht das ersparte Kapital. 

Ein tieferer Umwandlungssatz bedeutet also ein länger anhaltendes Kapital. 

Und was hat das mit dem Mindestzins zu tun? – Ganz einfach: um die Umverteilung von den Beitragszahlern zu den Rentnern finanzieren zu können – von irgendwo muss das Geld ja kommen – wird nur ein Teil der Rendite, die Pensionskassen mit dem Kapital der Beitragszahler erwirtschaften, deren Alterskapital gutgeschrieben. Ein weiterer Teil dient dem Aufbau von Reserven und ein dritter Teil wird systemfremd dazu verwendet, die laufenden Renten zu finanzieren. Wenn Gewerkschafter nun also behaupten, eine Senkung des Mindestzinses sei ein Rentenklau, dann verkennen sie damit die Tatsache, dass ein Teil der Rendite für die laufenden Renten verwendet werden muss und dass dieser so genannte "Rentenklau" einzig und allein den Rentnern zugute kommt.

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