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Früher, später... und wann wollen Sie in Rente gehen?

Zählen Sie sich zu den 60% der Arbeitenden in der Schweiz, die frühzeitig in Rente gehen wollen? Falls ja, gibt es einiges zu bedenken. Thomas Hengartner hat für Finanz und Wirtschaft zusammengestellt, worauf Frührentnerinnen und Frührentner besonders achten sollten.


Finanz und Wirtschaft; 27.05.2017; Seite 14; Vorsorge; Thomas Hengartner

Früher, später … flexibel in Rente
Fast 60% der Arbeitenden gehen vorzeitig in Pension. Zugleich bleiben nicht wenige über das Rentenalter hinaus beschäftigt. Im Durchschnitt wird mit 63,5 Jahren pensioniert. Worauf Frührentner besonders achten sollten.

Drei von fünf Personen gehen vor dem offiziellen Rentenalter in Pension – aber nicht wenige verschieben den Altersrücktritt auf später. 2016 sind in den Pensionskassen der öffentlichen Hand 17% der Neurentner erst einige Zeit nach Erreichen des AHV-Alters pensioniert worden; in den Vorsorgeeinrichtungen der Privatwirtschaft lediglich 5%, wie eine Auswertung von Swisscanto offenbart.

Die Analysten der ZKB-Tochtergesellschaft vermuten den Grund für die unterschiedlichen Werte darin, dass in vielen öffentlich-rechtlichen Anstellungsverhältnissen das vereinbarte Rücktrittsalter zwischen 60 und 64 Jahren liegt. Weil aber über alle Pensionskassen hinweg überwiegend vorzeitig in Rente gegangen wird, liegt das durchschnittliche Pensionierungsalter gemäss Swisscanto bei 63,5 Jahren.

Teilzeitarbeit mit Teilrente paaren

Die rund 1800 selbstständigen Pensionskassen grösserer Arbeitgeber und die gut 50 Sammelpensionskassen für KMU würden zumeist Frühpensionierungen ab Alter 60 oder gar ab 58 zulassen, sagt Willi Thurnherr, Schweiz-Chef des Beratungsunternehmens Aon Hewitt: «Beliebter wird die Teilpensionierung, verteilt über mehrere Schritte, mit Weiterarbeit auf Teilzeitbasis». Dabei werde beispielsweise die Erwerbsarbeit auf 70% verringert und dann mit einer 30%-Altersrente kombiniert.

In der Regel ist der vorzeitige Rentenbeginn – auch im Falle von Teilrenten – mit einer Kürzung der Leistung gegenüber dem Standardmodell verbunden. Dies ist so, weil der Versicherte weniger lange lohnabhängige Beiträge auf sein Pensionskassenkonto einzahlt, als vorgesehen war, und erst noch früher mit dem Rentenbezug begonnen wird.

In vielen Pensionskassen könne wer wolle durch freiwillige Zusatzeinzahlungen die Situation verbessern, weiss Thurnherr: «Solche Einkäufe für die vorzeitige Pensionierung sind vom steuerlichen Einkommen abziehbar, haben aber einen Haken.» Die versicherte Person müsse dann zum geplanten Zeitpunkt zwingend in Pension gehen und Rente zum reduzierten Umwandlungssatz beziehen, ansonsten der Steuererlass nachträglich korrigiert würde.

Thurnherr beobachtet, dass manche Personen nach einer vorzeitigen Pensionierung sich beim gleichen Arbeitgeber weiterbeschäftigen lassen: «Das ist zulässig, ob auf teilzeitlicher Basis, befristet oder mit unbefristetem Vertrag.» Dabei kann das Motiv mitspielen, so einer bevorstehenden Verschlechterung des Umwandlungssatzes auszuweichen. «Pensionskassen sollten deshalb den Umwandlungssatz in jährlichen Schritten von höchstens 0,2 Prozentpunkten vermindern, um in der Anpassung der Rentenberechnung an die längere Lebenserwartung Fehlanreize zu vermeiden», rät der Pensionsversicherungsexperte.

AHV-Einzahlungen nicht vergessen

Auch nach einer vorzeitigen Pensionierung bleibt die AHV-Beitragspflicht bis zum Rentenalter 65 Jahre für Männer und 64 Jahre für Frauen bestehen. Die Versicherten müssen sich eigenständig um die Einzahlung der Mindestbeiträge kümmern, ansonsten fehlen in der AHV-Schlussrechnung Beitragsjahre, was eine Rentenkürzung zur Folge haben kann.

Die Staatsrente, die für Einzelpersonen mindestens jährlich 14 100 und höchstens 28 200 Fr. beträgt, kann ein oder zwei Jahre vorzeitig gestartet werden. In einem solchen Fall wird die Auszahlung dauerhaft um 6,8% beziehungsweise 13,6% vermindert. Die im Herbst zur Volksabstimmung kommende Altersreform 2020 sieht weitergehende Flexibilisierungen vor.

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