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Fünf Fragen und Antworten zum Umwandlungssatz

Die Senkung des Mindestumwandlungssatzes von 6.8% auf 6% ist mitunter eines der zentralen Reformelemente im letzten Freitag vom Parlament verabschiedeten Reformpaket «Altersvorsorge 2020». Im folgenden Artikel lesen Sie die Antworten zu 5 wichtigen Fragen rund um dieses Thema. Nächste Woche erfahren Sie mehr zu der Zukunft der Renten und zum Deckungsgrad der Pensionskassen.

Sicher ist nur die Rentensenkung

SonntagsZeitung; 12.03.2017; Seite 37; Wirtschaft; Armin Müller

1. Meine Pensionskasse will den Umwandlungssatz auf 5 Prozent senken. Darf sie das?

Ja. Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestumwandlungssatz von derzeit 6,8 Prozent gilt nur für den obligatorischen Teil des Altersguthabens. Weil die meisten Pensionskassen höhere Leistungen versichern, können sie eine Mischrechnung machen und die überobligatorischen Leistungen mit einem tieferen Satz umwandeln. Überobligatorische Altersguthaben entstehen vor allem aus Sparbeiträgen von Lohnanteilen über 84 600 Franken und aus höheren Beiträgen, als sie das Gesetz vorschreibt. Der überobligatorische Teil macht bei vielen Vorsorgeeinrichtungen einen grossen Anteil des Kapitals aus. Selbst Versicherte mit tiefen Einkommen haben oft bedeutende Guthaben im Überobligatorium, weil der Arbeitgeber zusätzliches Geld einschiesst.

2. Warum senken die Pensionskassen die Umwandlungssätze?

Wegen steigender Lebenserwartung und sinkender Kapitalmarktzinsen. Bei Einführung des Bundesgesetzes über die berufliche Vorsorge 1985 hatte ein Mann ab der Pensionierung eine Lebenserwartung von 14,9 Jahren, heute sind es 19,2 Jahre. Bei Frauen stieg die Lebenserwartung in diesem Zeitraum von 19 auf 22,2 Jahre. Viele Pensionskassen erzielen bei sinkenden Zinsen seit Jahren nicht mehr genügend hohe Renditen, um die versprochenen Renten zu finanzieren.

3. Warum sind die Unterschiede bei den Umwandlungssätzen so gross?

Kassen mit hohen Renditen können sich einen höheren Umwandlungssatz leisten. Aber hohe Renditen lassen sich nur mit hohen Anlagerisiken erzielen. Die Risikofähigkeit ist jedoch sehr unterschiedlich, abhängig von der finanziellen Ausstattung, dem Deckungsgrad und dem Verhältnis von Rentnern zu Aktiven. Zudem treffen die Kassen unterschiedliche Annahmen zur Berechnung der künftigen Vermögenserträge und der Dauer der Rentenzahlungen.

4. Warum wollen Bundesrat und Parlament den gesetzlichen Mindestumwandlungssatz von 6,8 auf 6,0 Prozent senken?

Je höher die Lebenserwartung, desto mehr Rendite braucht es, damit das angesparte Altersguthaben ausreicht, um die Rente bis zum Lebensende finanzieren zu können. Beim geltenden Mindestumwandlungssatz von 6,8 Prozent und der aktuellen Lebenserwartung beträgt die erforderliche Rendite rund 5 Prozent. Seit der Jahrtausendwende war diese Rendite am Kapitalmarkt jedoch nicht mehr zu erzielen. Eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes ist nötig, um die finanzielle Stabilität der 2. Säule zu erhalten.

5. Wie beeinflusst der Umwandlungssatz meine Rente?

Mit dem Umwandlungssatz wird die Höhe der jährlichen Rente aus einem vorhandenen Altersguthaben berechnet, und zwar durch Multiplikation des Altersguthabens mit dem Umwandlungssatz. Ein Altersguthaben von 500 000 Franken ergibt bei einem Umwandlungssatz von 5 Prozent eine Rente von 25 000 Franken pro Jahr.

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