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Kinderpause schmälert die Altersvorsorge

Viele junge Eltern steigen eine Zeit lang aus dem Beruf aus. Mehr Zeit für die Kinder bedeutet auch weniger Geld für die Familie. Doch was passiert während der Babypause mit der Altersvorsorge? Wenn plötzlich weniger Geld da ist, schmälert dies das Budget im Alter. Wer sich aber frühzeitig damit befasst, kann verhindern, dass Vorsorgelücken entstehen.

Kinder sind letztlich unbezahlbar, aber auch teuer. Gerade wer seinen Nachwuchs in einer Krippe betreuen lässt, weiss davon ein Lied zu singen. Drei Tage Betreuung pro Woche für Kinder im Vorschulalter in der Stadt Zürich kosten schnell einmal 1500 Franken pro Monat. Die Kosten für eine Nanny mit allem Drum und Dran können den Lohn eines Paarteils sogar komplett auffressen.
Jedenfalls ist die Fremdbetreuung von Kindern nicht günstig, und nicht wenige Paare in der Schweiz ziehen daraus die Konsequenz, dass ein Elternteil – zumeist die Frau – ihr berufliches Pensum deutlich reduziert oder sogar ganz zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert. Bei einem solchen Entscheid sollten die entsprechenden Haushalte allerdings eine langfristige Gesamtrechnung anstellen. Auch wenn sich die Erwerbstätigkeit kurzfristig gesehen finanziell kaum zu «lohnen» scheint, so sind die langfristigen Folgen eines Ausstiegs aus dem Arbeitsleben oder einer starken Reduktion des Pensums gravierend.
Nicht nur sinken die Karrierechancen und leidet die soziale Integration, es drohen auch erhebliche Lücken bei der Altersvorsorge. Schliesslich ist Erwerbstätigkeit deren zentraler Pfeiler. So reduzieren sich etwa die Leistungen von Pensionskassen bei einem Erwerbsunterbruch und bei Teilzeitarbeit mit niedrigem Pensum erheblich. Dafür sorgt schon der sogenannte Koordinationsabzug, der für 2019 bei 24 885 Franken liegt. Er ist massgebend für den versicherten Lohn. Hat eine Person also ein Gehalt von 70 000 Franken für ein Pensum von 100 Prozent, verbleibt nach dem Abzug ein versicherter Lohn von 45 115 Franken. Arbeitet die entsprechende Person in einem Pensum von 40 Prozent, reduziert sich der versicherte Lohn auf nur noch 3115 Franken. Erhebliche Vorsorgelücken sind hier vorprogrammiert. Auch dürfte bei einem solchen Verdienst wenig dafür übrig bleiben, privat für das Alter vorzusorgen.

Neue Zürcher Zeitung; 20.04.2019; Michael Ferber

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