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Kontroverse um einen weiteren BVG-Reformvorschlag

Hansueli Schöchli befasst sich in der NZZ vom letzten Samstag mit dem Vorshclag eines Renten-Splittings für Ehepaare als Reformvorschlag für die zweite Säule. Ohne Mehrkosten lasse sich die berufliche Vorsorgesanieren sanieren, sagen zwei Pensionskassenexperten. Ihre Reformidee verspricht eine Stärkung der Stellung der Frauen und die gleich grossen Spareffekte wie der weit teurere Reformvorschlag des Bundesrats.

"Die Pensionskassenspezialisten Martin Wechsler und Fabian Thommen präsentierten einen Vorschlag zur Reform der beruflichen Vorsorge, der eine nachhaltige Sicherung der Renten ohne Zusatzkosten in Aussicht stellt. Wie soll das nur gehen?

(...) Die Autoren schlagen analog zur AHV auch für die berufliche Vorsorge ein Renten-Splitting für Ehepaare vor." Das heisst,  die Rente des Mannes und die der Frau würden halbiert und dem jeweils anderen Partner bei Rentenantritt überwiesen. 

"Im typischen Fall wird der Mann zuerst pensioniert, da Ehefrauen im Mittel jünger sind. Bei der Pensionierung des Mannes wäre es im Reformmodell gut möglich, dass zum Beispiel ein Drittel seines gesamten Vorsorgekapitals der Frau angerechnet wird. Geht später auch die Frau in Pension, gäbe es eine zweite Aufteilung der in der Zwischenzeit angesparten Vorsorgegelder.

Eine solche Reform würde laut den Autoren die Stellung der Frauen stärken. Im Gegenzug gäbe es keine Witwen- und Witwerrenten mehr. Laut Fabian Thommen und Martin Wechsler wäre mit Einsparungen von etwa 0,8 Prozentpunkten beim Umwandlungssatz zu rechnen – das heisst gerade etwa so viel, wie die vom Bundesrat vorgeschlagene Senkung des Mindestumwandlungssatzes von 6,8 auf 6,0% ohne Kompensationen einsparen würde. Die Autoren schlagen deshalb vor, den Mindestumwandlungssatz im Obligatorium bei 6,8% zu belassen; dann müsste man in ihrer Lesart nicht über Kompensationen reden, was Mehrkosten vermeidet.

Im Durchschnitt leben Frauen etwa drei Jahre länger als Männer und sind ungefähr drei Jahre jünger als ihre Ehegatten. In einem typischen Fall muss somit das Alterskapital eines verheirateten Mannes nicht nur dessen Altersrente abdecken, sondern zusätzlich noch etwa sechs Jahre lang eine Witwenrente von 60% der Altersrente. Im vorgeschlagenen Modell der beiden Autoren wäre die individuelle Rente des überlebenden Ehepartners typischerweise tiefer als die derzeit geltende Hinterlassenenrente. Als Nebeneffekt würde die derzeitige Umverteilung in der beruflichen Vorsorge von den Alleinstehenden zu den Verheirateten wegfallen.

Der gesetzliche Mindestumwandlungssatz von 6,8% ist nur für Versicherte ohne grosses überobligatorisches Alterskapital relevant. Die meisten Vorsorgeeinrichtungen haben genug überobligatorisches Kapital, so dass schon heute Mischrechnungen mit Sätzen zwischen 4,5 und 6,0% gängig sind. Bei Kassen, die heute rechnerisch korrekte Umwandlungssätze anwenden können, würde der Wegfall der Hinterlassenenrenten laut Thommen/Wechsler eine Erhöhung der Altersrenten um etwa 13% ermöglichen."

Was auf den ersten Blick gut klingt, hat aber doch noch ein paar "Haare in der Suppe". 

"Wie diverse Fachleute betonen, ist eine solche «kostenneutrale» Reform nur zum Preis von nominalen Rentensenkungen zu haben. Einbussen gäbe es in gängigen Fällen für Witwen sowie für Männer in den ersten Jahren der Pensionierung, bis auch die Frau in Rente geht. Eine mögliche Folge wären steigende Ergänzungsleistungen (und damit doch höhere Kosten)."

Es gibt auch noch offene Fragen, "so etwa zum Umgang mit Konkubinatspaaren und zum Ausmass von Vorgaben für den überobligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge. Der Bundesrat hatte vor zwei Jahren auf eine parlamentarische Anfrage hin betont, dass ein Rentensplitting in der beruflichen Vorsorge angesichts der Vielfalt der Vorsorgepläne komplex wäre."

Für die laufende Reformdebatte kommt der Vorschlag sowieso zu spät. "Bei einer nächsten Reform kann das Bild anders aussehen."

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