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Pensionskassen sind frei bei der Festlegung des Umwandlungssatzes

Kann die Pensionskasse ihren Umwandlungssatz senken? Die Antwort heisst ja, solange sie die obligatorischen Leistungen einhält. Im obligatorischen Teil gilt der Mindestumwandlungssatz von 6.8%. Bei dem überobligatorischen Teil kann die Pensionskasse selbst entscheiden, welchen Mindestumwandlungssatz sie festlegt. Was sie wissen müssen, wenn ihre Pensionskasse den Mindestumwandlungssatz senkt, erklärt Thomas Sutter im tagblatt.ch.

 

Ich (m, 50, verheiratet, zwei schulpflichtige Kinder) wurde informiert, dass meine Pensionskasse den Umwandlungssatz (UWS) per Anfang 2019 auf 5% senkt. Ist das erlaubt? Und was kann ich gegen die daraus folgende Renteneinbusse tun?

Der Umwandlungssatz bestimmt, wie Ihr Altersguthaben der Pensionskasse in eine lebenslange Rente umgewandelt wird (2. Säule). Beispiel: Bei einem Vorsorgekapital von total 504000 Franken ergibt sich bei einem Umwandlungssatz von 5% eine Rente von 25 200 Franken pro Jahr bzw. von 2 100 Franken pro Monat.
Für den obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge besteht zwar ein gesetzlich garantierter Mindestumwandlungssatz von aktuell 6,8 %. Dieser ist gesetzlich festgelegt. Er ist angesichts der steigenden Lebenserwartung und der tiefen Zinsen für viele Experten aus ökonomischer Sicht zu hoch.
Bei der überobligatorischen Leistung ist Ihre PK dagegen frei bei der Festlegung des Umwandlungssatzes, solange sie die obligatorischen Leistungen einhält. Aktuell ist zu beobachten, dass viele Pensionskassen ihren Umwandlungssatz für die überobligatorischen Leistungen senken.
Damit verbessern die Pensionskassen ihre Risikofähigkeit und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Vorsorgeguthaben besser verzinst werden, weil weniger Rückstellungen für zu hohe Rentenversprechen notwendig sind. Diese Rückstellungen entsprechen de facto einer unerwünschten Umverteilung von den aktiv Versicherten zu den Rentenbezügern.
Eine Senkung des Umwandlungssatzes für das gesamte Guthaben, wie es Ihre Pensionskasse beschlossen hat, ist somit erlaubt, da der Umwandlungssatz für den obligatorischen Teil weiterhin 6,8% beträgt. Aus versicherungsmathematischer Sicht sowie mit Blick auf die Stabilität der Pensionskasse und den Generationenvertrag ist die Senkung sinnvoll – auch wenn es für Sie zu einer tieferen Rentenerwartung führt.
Um die Senkung der Rente zu kompensieren, empfehle ich Ihnen, jedes Jahr den maximalen Betrag in die Säule 3a einzuzahlen. Für 2018 sind dies für Sie als Angestellten mit Pensionskasse 6768 Franken. 2019 wird dieser Betrag auf 6826 Franken angehoben. Dies gilt auch für Ihre Frau, falls sie erwerbstätig ist. Prüfen Sie ebenfalls, ob Sie mit freiwilligen Einkäufen in Ihre PK ihr Alterskapital erhöhen können. Dies ist aber nur dann empfehlenswert, wenn Ihre PK einen Deckungsgrad von mehr als 100% ausweist.
Der Vorteil von Einzahlungen in die 2. und 3. Säule ist, dass Sie die hier einbezahlten Beträge vollumfänglich von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen können. Ich rate Ihnen zudem, bereits heute kalkulieren zu lassen, mit wie viel Renteneinkommen sie konkret rechnen dürfen, und Ihren Lebensstandard frühzeitig darauf einzustellen.
Sehr sinnvoll ist auch ein Vermögensaufbau in der freien Vorsorge (Säule 3b), falls Ihre finanzielle Situation dies erlaubt. Dies ist zwar nicht steuerprivilegiert, bietet Ihnen aber die Chance, sich frühzeitig ein finanzielles Polster für den Ruhestand anzusparen. Gerade dieses eigenverantwortliche Sparen für den Lebensabend wird in Zukunft noch viel wichtiger sein als heute.

tagblatt.ch; 23.11.2018; Thomas Sutter 

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