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Prognostizierte Altersleistungen hängen von verschiedenen Faktoren ab

Wie hoch Ihre späteren Altersleistungen zum Zeitpunkt Ihrer Pensionierung sein werden, hängt von verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel der künftigen Lohnentwicklung, der Verzinsung des Kapitals sowie dem Umwandlungssatz ab. Die auf dem Vorsorgeausweis aufgezeigten Altersleistungen sind nur eine Prognose und nicht verbindlich. Mehr dazu erklärt Martin Spieler im Geldblog des Tages Anzeigers.

Ich habe auf Ihre Empfehlung in Ihrem Blog hin mal meinen Pensionskassenausweis hervorgenommen und angeschaut. Das sieht gar nicht so schlecht aus. Punkto Altersleistungen, die ich bekomme, war ich positiv überrascht. Zusammen mit der AHV kann ich damit recht gut leben, wenn ich in 15 Jahren pensioniert werde. Kann ich mich auf diese Angaben verlassen? V.K.


Nein. Leider muss ich Sie enttäuschen. Die in Ihrem Vorsorgeausweis aufgeführten Altersleistungen sind lediglich eine Prognose. Ich würde mich auf keinen Fall darauf verlassen. Dieser Wert ist faktisch eine Hochrechnung der erwarteten Leistungen. Das Problem dabei: Dieser Wert hängt stark von der künftigen Lohnentwicklung, der Verzinsung des Kapitals sowie dem Umwandlungssatz ab und kann deutlich variieren.
Die im Vorsorgeausweis aufgeführten Altersleistungen, über die Sie sich gefreut haben, sind provisorisch und für Sie keineswegs verbindlich. Berechnet wird dieser Wert auf der Basis Ihres momentanen Salärs, des bereits angesparten Guthabens, der prognostizierten künftigen Gutschriften pro Jahr und eines Projektionszinses. Dieser wird genutzt, um hochzurechnen, wie hoch Ihre späteren Altersleistungen zum Zeitpunkt Ihrer Pensionierung – also in 15 Jahren – sein werden.
Jetzt merken Sie schnell: Je nachdem wie hoch dieser Projektionszins, der nicht eine fixe Grösse ist, angesetzt wird, desto höher oder tiefer fallen die hochgerechneten Altersleistungen in der Zukunft an. Der Projektionszins ist eigentlich ein hypothetischer Zinssatz basierend auf Vergangenheitswerten und Annahmen für die Zukunft.
In der Praxis ist dieser Projektionszinssatz angesichts der momentanen rekordtiefen Zinsen an den Kapitalmärkten oft zu hoch angesetzt. Zinsprognosen sind generell extrem schwierig. Wie oft wurde etwa in den letzten Jahren nicht die grosse Zinswende vorausgesagt?
In der Realität blieben die Zinsen dann aber doch noch länger extrem tief. Weil der Projektionszins zu hoch ist, sind die auf den Vorsorgeausweisen vieler Pensionskassen berechneten Altersleistungen meines Erachtens zu optimistisch. Um ein realistisches Bild zu haben, sollte man bei der Hochrechnung dieser Leistungen nur von einem bescheidenen Zins ausgehen.
Das andere Problem bei der prognostizierten Rente sind die Umwandlungssätze. Auf dem obligatorischen Teil beträgt der Umwandlungssatz zwar weiterhin 6,8 Prozent. Auf dem überobligatorischen Teil sind die Umwandlungssätze aber weiter am Sinken. Daher würde ich auch da von tieferen Werten ausgehen, um wirklich abschätzen zu können, wie viel Rente Sie in 15 Jahren nach Ihrer Pensionierung tatsächlich erhalten.
Wirklich verlässlich ist nur Ihr über die Jahre angespartes Alterssparguthaben. Darin enthalten Sie all Ihre Sparbeiträge, allfällige Einkäufe, die Sie gemacht haben, die eingebrachten Freizügigkeitsleistungen sowie Überschüsse und Zinsen. Auf diesen Wert, der natürlich tiefer liegt, können Sie sich verlassen – ebenso auf die Versicherungsleistungen.
Angesichts der in der Praxis bei künftigen Pensionierungen deutlich tieferen Altersleistungen rate ich Ihnen, die Ihnen bis zur Pensionierung noch verbleibenden 15 Jahre zu nutzen, um auf freiwilliger Basis zusätzlich Geld fürs Alter auf die hohe Kante zu legen. Ansonsten kann es für Sie anders – als Sie aufgrund der prognostizierten Altersleistungen erwartet haben – und nach der Pensionierung doch weniger komfortabel werden.

Tages Anzeiger; 17.11.18; Martin Spieler

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