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Senkung des Umwandlungssatzes: Was bedeutet dies für Junge?

Folgender Artikel, erschienen in Finanz und Wirtschaft, zeigt die Zusammenhänge zwischen dem Umwandlungssatz, der momentan herrschenden Umverteilung, und den zukünftigen Renten. Der Artikel zeigt: Auch für Junge lohnt es sich, den Vorsorgeausweis genau zu lesen!

Aufputschmittel für die Rente

Finanz und Wirtschaft; 29.03.2017; Seite 16; Vorsorge; THOMAS HENGARTNER

In der beruflichen Vorsorge garantieren die Erwerbstätigen die Zahlungen an die Rentner. Die Senkung des Umwandlungssatzes ist deshalb auch für junge Beitragszahler Thema. Der Vorsorgeausweis offenbart, was im Endeffekt alles zählt.

Der Rentenumwandlungssatz fällt – in der vom Parlament beschlossenen Reform Altersvorsorge 2020 für das Obligatorium auf 6%. In der Praxis und inklusive Überobligatorium sinkt er in den meisten Pensionskassen auf 5% oder noch tiefer. Das sind – etwas kontraintuitiv – gute Nachrichten. Den Vorsorgeeinrichtungen entstehen geringere neue Rentenlasten. So kommen sie leichter in die Lage, die Pensionskonten der Erwerbstätigen besser zu verzinsen.

Die Guthabenzinsen sind neben dem Umwandlungssatz die zweite Dimension der Bestimmung von Renten. «Es ist trügerisch, allein auf den Umwandlungssatz zu achten, etwa nach dem Motto je höher, desto besser», sagt Lukas Müller, Assistenzprofessor für Rechnungslegung der Universität St. Gallen.

Ebenso bedeutsam sei, wie rasch das individuelle Guthaben durch Zinsen bis zum Pensionierungszeitpunkt wächst. «Der Zinseszinseffekt hat für die mittlere und die jüngere Generation enorme Wirkung», betont Müller. Erst auf der künftigen Summe wird durch den Umwandlungssatz die Rente festgelegt. Jede und jeder Pensionsversicherte kann die eigene Situation dem jährlichen persönlichen Vorsorgeausweis entnehmen.

Gerechte Verzinsung ist wesentlicher

Die Anpassung der Rentenberechnung sei für die Gesamtheit der Pensionsversicherten nicht nachteilig, rechnet Müller vor: «Können die Kassen dank einer Senkung des Umwandlungssatzes grössere Jahreszinsen an alle Versicherten bis zu deren Pensionierung zahlen, bleibt das Rentenergebnis in etwa dasselbe.» Das durch Zinsen zusätzlich gebildete Guthaben kompensiert dabei den Effekt der geringeren Rentenumrechnung.

Im Rentenumwandlungssatz ist implizit eine Zinserwartung für jeweils folgende rund zwanzig Jahre eingebaut. Die Erwartung ist bislang viel höher, als wegen der geringen Renditeperspektiven realistisch ist. Deshalb ist in den vergangenen Jahren das Anlageergebnis unfair auf Rentner und Beschäftigte aufgeteilt worden. Müller hat dazu einen Umverteilungsrechner entwickelt, der beim Vergleichsdienst Comparis zur Verfügung steht.

2015 haben Rentenbeziehende gemäss Angaben des Beraters Complementa im Schnitt 2,7% Zins auf dem restlichen Pensionskapital erhalten (sogenannter technischer Zins). Die Guthaben der Arbeitstätigen wurden zu 1,9% verzinst. Der Unterschied von 0,8 Prozentpunkten macht bezogen auf die 318 Mrd. Fr. Rentnerkapitalien eine Zinsungleichverteilung von gerundet 2,5 Mrd. Fr. aus. In den Jahren 2012 und 2013 war die Differenz gar noch deutlich grösser

Auf dem persönlichen Vorsorgeausweis nimmt die Pensionskasse mit einem Projektionszins – oft 1 oder 2% – eine Hochrechnung des individuellen Guthabens bis zum Zeitpunkt des ordentlichen Pensionsalters vor. Je höher der Projektionszins, desto umfänglicher erscheint das hochgerechnete Guthaben.

Hochrechnung mit Fragezeichen

Müller findet es kritisch, wenn eine Pensionskasse die Guthaben mit einem höheren Zinssatz projiziert, als sie zuletzt effektiv für die Zinsgutschrift verwendet hat: «Da steckt womöglich zu viel Hoffnung drin.» Er plädiert dafür, die Vermögenshochrechnung in zwei Szenarien anzubieten, einmal mit und einmal ohne Projektionszins: «So würden alle Pensionsversicherten eher ein Gespür entwickeln für den Zins- und Zinseszinseffekt.»

Besonders jüngeren Menschen rät er, auf dem Vorsorgeausweis die Deckung der Lebensrisiken zu prüfen. «Für einen 35-jährigen Familienernährer zählt weniger das noch ferne Versprechen des Rentenumwandlungssatzes, als vielmehr die Höhe der Rentenleistungen, die die Pensionskasse im Falle von Erwerbsunfähigkeit garantiert oder bei Tod zusätzlich zur ersten Vorsorgesäule an die Hinterbliebenen zahlen würde.»

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