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Sind flexible Renten ein Grund zur Sorge?

Was ist mit der Flexibilisierung der Rente gemeint? Folgender Blog erklärt, wie flexible Renten in der Praxis aussehen und was für Vorteile und Risiken sie mit sich bringen. 

Sind flexible Renten ein Grund zur Sorge?

 

Tagesanzeiger, 3. November 2018

 

In der «SonntagsZeitung» hatten Sie kürzlich über flexible Pensionskassenrenten geschrieben und dass diese vielleicht nicht mehr zwingend ganz garantiert sind. Ich mache mir Sorgen. Da können die Versicherten doch nur verlieren, wenn die Renten dann plötzlich nicht mehr sicher sind. Wie sehen Sie das? D.L.

 

Falls Sie schon Rentner sind, müssen Sie sich um Ihre Rente nicht sorgen: Die wird nicht angetastet. Bestehende Renten dürfen gemäss den heute geltenden Bestimmungen nicht nachträglich verschlechtert werden.

 

Einige Firmen haben aber begonnen, einen Teil der Neurenten zu flexibilisieren. Das ist möglich. Neurenten können somit auch flexible Anteile enthalten, die zum Beispiel von der Entwicklung des Anlageerfolgs der Pensionskasse abhängig sind oder vom Auf und Ab des Deckungsgrades der Kasse.

 

Für die Versicherten sehe ich bei einer Flexibilisierung nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile. Die Nachteile sind offensichtlich: Wenn die Renten flexibel werden, bedeutet das, dass diese anders als heute nicht mehr vollumfänglich garantiert sind.

 

In der Praxis ist es allerdings nicht so, dass Neurenten vollumfänglich flexibilisiert werden, sondern meist nur ein kleiner Anteil. Ein Teil ist weiterhin garantiert und ein zweiter Teil ist abhängig von im Pensionskassenreglement festgelegten Kriterien, wie dem erwähnten Anlageerfolg oder dem Deckungsgrad. In der Tat hat man dann aber eine geringere garantierte Rente. Die Versicherten tragen ein Teil des Risikos mit. Die finanzielle Planbarkeit im Alter wird für die Rentner erschwert.

 

Einen Nachteil sehe ich auch im erhöhten administrativen Aufwand für die Pensionskassen: Bei einem flexiblen Rentenmodell müssen sie auch die betroffenen Rentner regelmässig über die Entwicklung der flexiblen Rentenanteile und deren Berechnungsgrundlage detailliert informieren und auf Rückfragen der Versicherten eingehen können, da der Erklärungsbedarf bei solchen Modellen zweifellos steigt.

 

Ein Pluspunkt (teil-)flexibler Renten liegt in der Partizipation der Versicherten am Anlageerfolg der Vorsorgeinstitution. Flexible Renten dürfen den Versicherten nicht einseitig eine finanzielle Verschlechterung bringen, sondern müssen auch eine spürbare mögliche Verbesserung beinhalten. Die Rentner bekommen die Chance, dass sie in guten Jahren dank einem überdurchschnittlichen Anlageerfolg mehr Rente erhalten. Das muss sich wirklich auszahlen.

 

Im heutigen System, bei dem bestehende Renten tabu sind, haben wir faktisch eine Umverteilung von den Erwerbstätigen zu den Rentnern. Das ist unfair. Diese würde zumindest teilweise korrigiert.

 

Der Kernpunkt aber liegt in der Partizipation: Für die Rentner muss sich die Flexibilisierung wirklich lohnen, denn sie übernehmen in einem begrenzten Rahmen ein Teil des Anlagerisikos und entlasten so die Pensionskasse. Dieses Risiko, das bei einer Flexibilisierung der Renten teilweise an die Rentner weitergegeben wird, muss durch die Möglichkeit, im positiven Fall mehr Rente zu erhalten, abgegolten werden.

 

Eine vollständige Flexibilisierung der gesamten Rente – dass also die Rente als Ganzes nicht mehr garantiert wäre – sehe ich nicht, zumal die Versicherten heute auch keine Wahlfreiheit bei der Pensionskasse haben. Je mehr die Renten flexibilisiert werden sollen, desto mehr Mitspracherecht und Wahlfreiheit sollte man auch den Versicherten geben.

 

Wenn ein Arbeitgeber eine Vorsorgeinstitution mit schwachen Anlagerenditen auf den Vorsorgegeldern hat, kann man als Versicherter das zwar kritisieren, aber faktisch für sich nur Abhilfe schaffen, indem man den Arbeitgeber wechselt.

 

Wenn die Versicherten und Rentner mehr Risiken übernehmen sollen, müsste man ihnen meines Erachtens auch die Möglichkeit geben, über die gewählte Anlagestrategie für ihr Vorsorgegeld oder ihre Renten zu entscheiden.

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