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Steuern optimieren: Vier (fast) ganz legale Tricks

Aus dem Beobachter vom 17.02.2012:
1. Der Trick mit dem Konkubinat: Heiraten kostet nur Bei Ehepaaren werden die Einkommen zusammengezählt - sie kommen so in eine höhere Progressionsstufe und werden stärker besteuert als Konkubinatspaare. Diese Ungleichbehandlung wird zwar durch Ehegatten-und Zweiverdienerabzug sowie Elterntarif korrigiert -aber nur unvollständig. Mit Kindern gibt es weitere Steuersparmöglichkeiten: Derjenige Konkubinatspartner, der mehr verdient, kann -ganz legal - seiner Partnerin Unterhaltszahlungen überweisen, die er von den Steuern abziehen kann, auch wenn das Paar mit den gemeinsamen Kindern im selben Haushalt lebt. Sie muss dann die Alimente zwar ihrerseits in der Steuererklärung deklarieren, kann aber Kinderabzüge, Fremdbetreuungsabzug sowie den Versicherungsund Sparzinsenabzug für die Kinder geltend machen. Und: Sie wird wie Verheiratete mit Kindern nach dem tiefen Elterntarif besteuert.* Zahlt der Mann so seiner Partnerin 20 000 Franken an Unterhaltsbeiträgen im Jahr, spart das Paar bei Nettoeinkommen von 90.000 und 45.000 Franken gegenüber einem Ehepaar rund 2000 Franken an Steuern. Dabei ist der Alimententrick entscheidend. Ohne ihn würde das Paar 500 Franken mehr Steuern zahlen als ein Ehepaar. So richtig lukrativ wird das Konkubinat aber erst dank den Prämienverbilligungen für die Krankenkasse: Die Mutter im Konkubinat gilt dort nämlich als alleinerziehend und profitiert von höheren Zuschüssen. Im Jahr 2012 erhält das Konkubinatspaar mit den oben geschilderten Einkommen und zwei minderjährigen Kindern im Kanton Zürich 2868 Franken an Prämienverbilligungen. Ein vergleichbares Ehepaar hingegen rein gar nichts. Je grösser der Einkommensunterschied ist, umso mehr lohnt sich der Alimententrick. Dominique Strebel *Im Kreisschreiben 30 der Eidgenössischen Steuerverwaltung finden sich Informationen zu allen möglichen Konstellationen. 2. Der Trick mit der Altersvorsorge: So viel wie möglich einzahlen Vorsorgen lohnt sich. Angestellte können Zahlungen in der Säule 3a bis zu 6682 Franken vom Einkommen absetzen, Selbständige bis zu 33.408 (maximal 20 Prozent des AHV-pflichtigen Einkommens). Am besten richtet man mehrere Konten ein. So kann man das Geld gestaffelt über mehrere Jahre beziehen und bricht damit die Steuerprogression. Paare können noch mehr sparen: Er bezieht (nach dem 60. Geburtstag) 3a-Geld, sie kauft sich damit in die zweite Säule ein, spart so Steuern und lässt sich das Geld mit 64 wieder auszahlen. Dabei kommt ein reduzierter Steuertarif zur Anwendung. Auch Einkäufe in die zweite Säule kann man vom Einkommen abziehen; aber nur, wenn eine Deckungslücke besteht zwischen dem effektiv angesparten und dem theoretisch möglichen Rentenkapital. Verheiratete können noch mehr profitieren, falls ein Ehegatte massiv mehr verdient als der andere: mit einer Scheidung, bei der sie das Vorsorgekapital zwischen sich aufteilen. Der Mehrverdiener kann nun sein Pensionskassenvermögen wieder aufstocken. Das lohnt sich, wie das Beispiel eines Mannes mit Wohnsitz Riehen BS zeigt, der eine halbe Million verdient: Stockt er seine zweite Säule um 190 000 Franken auf, spart er 74 240 Franken Steuern. Im zweiten Jahr gleich nochmals so viel. Topverdiener, deren Firma eine Kaderversicherung hat, sparen noch mehr. Ihr Trick: Lohnerhöhungen werden nicht aus gezahlt, sondern fliessen -steuerfrei - in die Kaderversicherung. Zahlt man eine halbe Million ein, spart man bei einem Einkommen von einer Million Franken in Küsnacht ZH 178 479 Franken. Weiterer Vorteil: In der Kaderversicherung kann man bei Löhnen ab rund 125 000 Franken eine individuelle Anlagestrategie verfolgen; sie muss sich lediglich an die gesetzlichen Anlagerichtlinien für die zweite Säule halten. Martin Vetterli 3. Der Trick mit dem Zügeln: Man muss nicht wirklich umziehen Mit Zügeln kann man Steuern sparen. Am besten zieht man von der Steuerhölle Auvernier NE nach Wollerau SZ, wo die Steuern rekordtief sind. Bei einem Lohn von 300.000 Franken spart man so 53 143 Franken. Das sind gut 4400 Franken pro Monat. Noch besser: Man schafft sich Wohneigentum an. Dann lassen sich auch die Hypozinsen und eine grosszügig bemessene Unterhaltspauschale abziehen. Schlaumeier kaufen eine Liegenschaft, die man umbauen muss. Investiert man eine Million Franken in die Renovation einer Drei-Millionen-Villa und verteilt die Kosten auf drei Jahre, lassen sich in Wollerau SZ so dreimal 68 315 Franken Steuern sparen (bei einem Bruttoeinkommen von einer Million). In Küsnacht ZH spart man sogar dreimal 118 488 Franken Steuern. Nur nebenbei: Entscheidend für den Abzug ist nicht, wann die Arbeiten durchgeführt werden, sondern der Zeitpunkt der Rechnungsstellung. Kauft man eine Millionenvilla, muss man nicht mal seinen Lebensmittelpunkt nach Wollerau verlegen; der Trick funktioniert auch so. Bei einer so teuren Liegenschaft habe man keinen Anlass, das als Scheindomizil zu qualifizieren, heisst es bei der Schwyzer Steuerbehörde. Eine Alternative: Man verschenkt die Liegenschaft an den Konkubinatspartner oder einen anderen Nichtverwandten, sichert sich aber ein lebenslängliches Nutzungs-oder Wohnrecht. Der Wert der Liegenschaft sinkt auf diese Weise stark, es fallen kaum noch Schenkungssteuern an. Oder man vermietet das Haus zu einem Spottpreis an seine Kinder: am besten zu 51 Prozent des Eigenmietwerts. So ist die Steuerersparnis am grössten. Wer keine Kinder hat, dem bleiben seine Freunde: Auch die lohnen sich. Sich das Haus gegenseitig zum halben Eigenmietwert zu vermieten ist zwar nicht ganz legal. Der Trick funktioniert aber gemäss Steuerexperten, wenn die Liegenschaften in verschiedenen Kantonen liegen. Martin Vetterli 4. Der Trick mit der Selbständigkeit: Leben auf Kosten der Firma Wer selbständig ist, muss keinen Lohnausweis einreichen, sondern nur seine Buchhaltung. Das eröffnet Spielraum, weil es keine scharfen Grenzen zwischen geschäftlichen und persönlichen Ausgaben gibt. Alles und jedes, was "geschäftsmässig begründet" ist, lässt sich abziehen: die Geschäftsreise mit beschränktem geschäftlichem Nutzen genauso wie Mitgliederbeiträge für den Golfklub, PC und Handy oder das Auswärtsessen. Selbst jenen, die nicht fleissig Rechnungen sammeln, eröffnet sich ein weites Feld an Abzugsmöglichkeiten. Bestes Beispiel: das Geschäftsauto, bei dem man jährlich 40 Prozent des Werts von den Steuern absetzen kann. Bei einem 120 000 Franken teuren Wagen sind das im ersten Jahr 48 000 Franken, im zweiten Jahr 28.800 Franken. Auch im Geschäft lässt sich der Ertrag kleinrechnen. Abzugsfähig sind auch Rückstellungen für allfällige Risiken und -unter bestimmten Bedingungen -Verluste aus den letzten drei bis sieben Jahren. Verheiratete KMUler haben noch mehr Möglichkeiten. Ihr Kniff: Der Ehepartner arbeitet mit. Es locken nicht nur Abzüge für Zweitverdiener und alle Formen von Berufsauslagen und das Vorsorgesparen. Bei einem "Reisli" sind auch die Reisekosten beider Partner abzugsfähig. Martin Vetterli Warnung: Wenn man es mit den Steuerabzügen zu bunt treibt und der Steuerkommissär falsche Angaben und fiktive Kosten entdeckt, wirds teuer. Dann zahlt man -und zwar happig -Busse und Nachsteuern.

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