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Umwandlungssatzsenkung bei Pensionskassen: Die Hintergründe

In einem Interview vom 03.03.2017 im Tages Anzeiger kritisiert Werner C. Hug die Pensionskassen und wirft ihnen vor, kurzsichtig zu handeln und es mit den Senkungen des Umwandlungssatzes unter 5 Prozent zu übertreiben.
Dazu ist Folgendes zu entgegnen: Die Führungsverantwortlichen von Pensionskassen kommen nicht umhin, sich an den Realitäten der weiterhin steigenden Lebenserwartung und des Tiefzinsumfeldes zu orientieren und entsprechende Massnahmen zu treffen. Es geht um die langfristige Sicherstellung der finanziellen Stabilität der Pensionskasse. Alles andere ist fahrlässig.

Unpopuläre Beschlüsse, wie zum Beispiel die Senkung der Umwandlungssätze, werden keineswegs leichtfertig gefasst. Zudem wird, wenn immer möglich, versucht, Leistungskürzungen mit einer Verstärkung des Sparprozesses und Übergangsbestimmungen für die älteren Versicherten abzufedern oder auszugleichen.

Da ein Ungleichgewicht zwischen der Renditeerwartung und den gesetzlich vorgegebenen Leistungsparametern zu sog. Pensionierungsverlusten bzw. zu einer Umverteilung (Quersubventionierung) von den aktiven Versicherten zu den Rentnern führt, braucht es Anpassungen auf der Finanzierungs- und Leistungsseite, um das bisherige Leistungsziel beibehalten zu können. Nach wie vor entstehen nämlich Verzinsungs- (wegen zu hoher technischer Zinssätze) oder Pensionierungsverluste  (infolge zu hoher Umwandlungssätze), welche dazu führen, dass die Pensionskassen-Verantwortlichen ihre Eckwerte sozialpartnerschaftlich und verantwortungsvoll anpassen. Dies vor allem auch, um die Umverteilung (Quersubventionierung) von den Erwerbstätigen zu den Rentenbeziehenden von rund CHF 2,6 Mia. bzw. ca. CHF 1000 pro aktiv Versicherten und Jahr (vgl. Swisscanto PK Studie 2016) zu korrigieren.

Sicher ist in diesem Zusammenhang die Frage, wie der Stellenwert der Solidarität in einem kapitalgedeckten Vorsorgesystem zu gewichten ist, zentral. Wenn die berufliche Vorsorge aus rein ökonomischen Überlegungen zu stark entsolidarisiert, d.h. individualisiert wird, geht der Charakter des generationenübergreifenden Versichertenkollektivs verloren. Im Rahmen dieses Prozesses wird daher in vielen Kassen  mit einem Verteilungsschlüssel von zukünftigen Erträgen Rechnung getragen.

Obwohl aktuell ein Spannungsfeld zwischen der Erfüllung des Leistungsauftrages und der politischen Vorgaben (Garantien) besteht, können die Pensionskassen-Verantwortlichen nicht einfach beliebig an verschiedenen Stellschrauben drehen. Notwendig ist, das richtige Drehmoment zu finden. Bei einer zu starken Drehung kann die Akzeptanz des Systems sicher Schaden nehmen. Pauschale Verurteilungen wie im Tages Anzeiger helfen uns aber diesbezüglich nicht weiter.

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