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Was es bei einem Vorbezug der Zweite-Säulen-Geldern zu beachten gilt

Im nachfoglenden Ratgebertext aus der Neue Zürcher Zeitung erfahren Sie, welche Grundvoraussetzungen zum Vorbezug Ihrer Pensionskassengelder erfoderlich sind, welche Risiken ein Vorbezug mit sich bringen kann und was es dabei sonst noch zu beachten gilt.

Neue Zürcher Zeitung; 13.03.2017; Ausgaben-Nr. 60 Seite 25; Geldanlage (ga); Michael Ferber

Gefährliche «Plünderung» der Pensionskasse:

Was beim Vorbezug von Zweite-Säule-Geldern zu beachten ist

Für Normalverdiener wird es in der Schweiz immer schwieriger, sich ein Eigenheim zu kaufen. Dies zeigt eine Anfang Februar publizierte Statistik der Grossbank UBS, die Immobilienpreise und Mieten ins Verhältnis zueinander setzt. Laut dieser sind zurzeit im Durchschnitt rekordhohe 29,5 Jahresmieten nötig, damit sich Mieter ihre gemietete oder eine ähnliche Liegenschaft kaufen könnten. Viele Bürger wollen sich den Traum von der eigenen Immobilie aber trotz den sehr hohen Preisen erfüllen. Eine beliebte Methode, um die nötigen Eigenmittel zusammenzubringen, ist dabei ein Vorbezug der Pensionskasse. Was ist dabei zu beachten?

Einige Grundvoraussetzungen

■ Für den Vorbezug von Zweite-Säule-Geldern gibt es genaue Vorschriften. So können Immobilienkäufer dieses Geld nur für die Finanzierung einer Liegenschaft vorbeziehen, wenn sie diese selbst bewohnen. Ob dies tatsächlich der Fall ist, prüfen die Behörden genau. Laut Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum ist es auch möglich, als Grenzgänger eine selbstbewohnte Liegenschaft im Ausland mit vorbezogenem Schweizer Pensionskassengeld zu finanzieren. Dasselbe gilt für Anteilscheine an einer Wohnbaugenossen- schaft und auch für bestimmte Renovationen. Bei einer fremdvermieteten Immobilie in der Schweiz oder ei- ner Ferienwohnung ist dies hingegen nicht möglich.

■ Ein Vorbezug für Wohneigentum bei der Pensionskasse ist im Allgemeinen bis drei Jahre vor der Pensionierung möglich. Bis zum Alter von 50 Jahren kann das gesamte Kapital in der Pensionskasse genutzt wer- den, danach ist die Höhe des Bezugs beschränkt. Laut der Beratungsgesellschaft Vermögenspartner wird dabei das Sparkapital mit Alter 50 oder die Hälfte des zum Zeitpunkt des Bezugs vorhandenen Sparkapitals betrachtet, wobei der höhere der beiden Beträge zur Geltung kommt. Die Mindesthöhe für einen Vorbezug beträgt 20 000 Fr., er ist nur alle fünf Jahre möglich.

■ Wenn der Versicherte verheiratet ist, ist die schriftliche Zustimmung des Ehepartners nötig, bei einer einge- tragenen Partnerschaft die des eingetragenen Partners.

■ Für die Auszahlung der Gelder durch die Pensionskasse besteht eine Frist von sechs Monaten. Sie gehen dann mit Einverständnis des Versicherten direkt an die entsprechenden Gläubiger, also etwa an den Verkäu- fer oder den Darlehensgeber, wie es in der Verordnung über die Wohneigentumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge heisst. Es lohnt sich, diese Frist vorab mit der Pensionskasse abzuklären. Vorsicht ist geboten, wenn sich die Vorsorgeeinrichtung in einer schwierigen finanziellen Lage befindet. Laut der Verord- nung kann eine Vorsorgeeinrichtung bei einer Unterdeckung die Auszahlung des Vorbezugs zeitlich und be- tragsmässig einschränken oder sogar ganz verweigern, wenn dieser für die Rückzahlung von Hypothekar- darlehen vorgesehen ist.

■ Wer das Vorsorgekapital für den Immobilienkauf vorbezieht, sollte sich bewusst sein, dass darauf Steuern fällig werden. Die Vorsorgeeinrichtung muss den Vorbezug automatisch innerhalb von 30 Tagen der Eidge- nössischen Steuerverwaltung melden. Der Vorbezug werde gleich besteuert wie eine Kapitalauszahlung aus der Vorsorgeeinrichtung zum Pensionierungs-Zeitpunkt, teilen die Vermögenspartner mit. Folglich sei diese Besteuerung kein Nachteil, sondern vielmehr eine Vorverschiebung der Steuerpflicht. Bei einer Rückzahlung der vorbezogenen Gelder in die zweite Säule würden die bezahlten Steuern ohne Zins zurückbezahlt. Ein Vorbezug könne sogar beim Steuernsparen helfen. Da er in ein anderes Jahr falle als mögliche andere Kapi- talbezüge, könne so die Steuerprogression gebrochen werden.

■ Ein Nachteil eines Vorbezugs von Pensionskassengeldern kann allerdings sein, dass die Versicherten dann bei steuermindernden Einkäufen in die Pensionskasse behindert sind. Deshalb empfiehlt es sich, die vorbezogenen Gelder schnell wieder in die Pensionskasse zurückzuzahlen.

■ Sind die Voraussetzungen für den Vorbezug nicht mehr erfüllt, müssen die Gelder an die Vorsorgeeinrichtung zurückbezahlt werden. Dies ist laut Gesetz der Fall, wenn das Wohneigentum verkauft wird, wenn Rechte an dem Wohneigentum eingeräumt werden, die wirtschaftlich einer Veräusserung gleichkommen, oder wenn beim Tod des Versicherten keine Vorsorgeleistung fällig wird. Da die Auszahlung des angesammelten Altersguthabens an die Hinterbliebenen oder Erben eine Vorsorgeleistung ist, komme letzterer Fall selten vor, heisst es in einem Papier der Versicherung Axa Winterthur. Keine Rückzahlungspflicht bestehe, wenn das Wohneigentum verkauft und der Erlös daraus innerhalb von zwei Jahren wieder in selbstgenutztes Wohneigentum investiert werde. Dasselbe sei der Fall, wenn die Nutzung des Wohneigentums vorübergehend nicht möglich ist, beispielsweise bei einem berufsbedingten befristeten Wegzug. Während dieser Zeit sei eine Vermietung zulässig.

Geringere Leistungen?

■ Der Mindestbetrag für eine Rückzahlung beträgt ebenfalls 20 000 Fr. Zudem ist die Rückzahlung nur bis drei Jahre vor der Pensionierung möglich. Laut Thurnherr können Pensionskassen diese Beschränkung al- lerdings aufheben und Rückzahlungen zulassen. Wenn keine Rückzahlung der Wohneigentumsförderung möglich sei, könne dennoch eingekauft werden, sofern noch Einkaufspotenzial da sei. Dann ergebe aber nur ein Altersrentenbezug Sinn, da bei einem Kapitalbezug der Einkauf der letzten drei Jahre wiederum steuer- lich aufgerechnet würde.

■ Immobilienkäufer, die wenig Eigenmittel haben und deshalb ihre Pensionskasse «plündern», sollten sich bewusst sein, dass es sich dabei um eine gefährliche Strategie handelt. Ein Vorbezug kann die Rente im Alter erheblich verringern, bei manchen Vorsorgeeinrichtungen sind auch die Leistungen bei Tod und Invalidität beeinträchtigt. Dies sollten Versicherte prüfen und allenfalls eine private Versicherung gegen Risiken abschliessen.

■Eine Alternative zu einem Vorbezug ist die Verpfändung. In diesem Fall nutzt die Bank das Pensionskassenguthaben des Immobilienkäufers als Sicherheit. Sie kann diesem im Gegenzug ein weiteres Hypothekendarlehen im Volumen von bis zu 90% der verpfändeten Summe gewähren. Laut Thurnherr wird die Möglichkeit, Pensionskassenkapital zu verpfänden, relativ wenig genutzt. 

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