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Was passiert nach dem Nein zur Altersvorsorge 2020 in der 2. Säule? Fünf Fragen und Antworten

Nachdem die Schweizer Bevölkerung am 24. September 2017 die Reform der «Altersvorsorge 2020» abgelehnt hat, stellt sich die Frage, wie es mit der beruflichen Vorsorge nun weiter geht. Die Aargauer Zeitung liefert in einem aktuellen Beitrag dazu Antworten.

Aargauer Zeitung; Andreas Schaffner; 25.9.2017

Schon vor der Abstimmung über die Altersreform haben Pensionskassen ihre Spielräume ausgenützt. Hier die fünf wichtigsten Fragen, die sich nun im Bereich der beruflichen Vorsorge stellen.

1. Wie dringend muss die zweite Säule wirklich saniert werden?

In der Politik herrscht die Meinung, dass die zweite Säule reformiert werden muss. Denn die Gesellschaft in der Schweiz wird immer älter. Kommt hinzu, dass an den Finanzmärkten weniger Erträge erwirtschaftet werden können als Mitte der Achtzigerjahre, als das System konstruiert wurde. Pensionskassen sind zu «Umverteilungsmaschinen» geworden: Um die Renten der Pensionäre zu bezahlen, müssen die Töpfe der Aktiven geplündert werden. Dies führt dazu, dass dieses Geld nicht längerfristig angelegt werden kann. Über die Dringlichkeit der Reform gibt es nach dem Nein der Bevölkerung zur Rentenreform unterschiedliche Meinungen.

2. Bleiben jetzt die Renten künftig gleich hoch wie heute?

Die Pensionskassen nutzen schon heute ihren gesetzlichen Spielraum. Dazu stehen ihnen der Umwandlungssatz und der technische Zinssatz zu Verfügung. Beide Sätze wurden in den vergangenen Jahren stark gesenkt, mit entsprechenden Folgen für die Neurentner. Laufende Renten wurden jedoch nicht angetastet. Eine Pensionskasse versuchte dies, doch sie wurde in diesem Frühjahr vom Gericht gestoppt.

3. Wieso sinken jetzt aber die Umwandlungssätze trotzdem?

Nach der abgelehnten Rentenreform bleibt gesetzlich alles beim Alten. Der Umwandlungssatz sinkt nicht auf 6 Prozent, sondern bleibt bei 6,8 Prozent. Mit anderen Worten: Bei einem Vorsorgekapital in der Höhe von beispielsweise 100'000 Franken erhalten die Neurentner weiterhin nach der Pensionierung lebenslänglich eine Altersrente von 6800 Franken pro Jahr garantiert. Dies gilt aber nur für den sogenannten obligatorischen Bereich der Pensionskasse. In diesem Bereich sind Löhne bis 84'600 Franken versichert. Die meisten Arbeitnehmer in der Schweiz sind jedoch einer umhüllenden Pensionskasse angeschlossen. Diese bieten Leistungen an, die über die gesetzlichen Minimalvorgaben hinausgehen. Im sogenannten überobligatorischen Bereich gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Deshalb machen Pensionskassen heute schon eine Mischrechnung und weisen insgesamt einen tieferen Umwandlungssatz aus. So senkte der Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag den Umwandlungssatz auf 4,57 Prozent. Bei der Pensionskasse der Bundesangestellten, Publica, wird mit 5,09 Prozent gerechnet. Und auch die aargauische Pensionskasse (APK) hat vergangene Woche angekündigt, dass sie den Umwandlungssatz ab 2019 stufenweise auf 5,3 Prozent senken will.

4. Kann auch ohne Rentenreform das Frauenrentenalter erhöht werden?

Das Rentenalter in der Schweiz gibt nur an, wann jemand eine staatliche Altersrente durch die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) beziehen kann. In der zweiten Säule ist eine Pensionskasse grundsätzlich frei: Sie kann ein anderes Rücktrittsalter beschliessen. So gibt es laut dem Verband der Pensionskassen (ASIP) schon heute viele Pensionskassen, die reglementarisch bereits ein gleiches Rücktrittsalter von Mann und Frau kennen. Gut möglich, dass künftig weitere Kassen Anpassungen machen werden.

5. Wie sieht es mit den Frühpensionierungen aus?

Eine AHV-Rente erhält, wer das ordentliche Rentenalter erreicht hat. Nach der gescheiterten Reform kann man eine AHV-Rente um ein oder zwei Jahre vorziehen — und erhält dafür eine tiefere Rente. Oder man kann sie um ein bis fünf Jahre aufschieben — und erhält dafür eine höhere Rente. Die Situation bei der zweiten Säule ist freier geregelt. Die meisten Kassen lassen Frühpensionierungen ab 58 Jahren zu. Mit der Revision hätte die Flexibilisierung eingeführt werden sollen. Der Zeitpunkt der Pensionierung hätte neu zwischen 62 und 70 Jahren gewählt werden können. Nun bleibt alles beim Alten.

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