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Was Pensionskassen tun um den Nachhaltigkeitszielen der UNO gerecht zu werden und was Private tun können.

«Wer nur mit Renditezahlen vorspricht und kein solides Reporting des Impacts auf Umwelt und Gesellschaft vorweisen kann, ignoriert die Zeichen der Zeit und den Anspruch sophistizierter moderner Anleger.» Daniel Wild im Interview mit der Handelszeitung

Impact vor dem Durchbruch

 

Sustainable Development Goals Pensionskassen und Staatsfonds beginnen, ihre Gelder SDG-konform anzulegen. Wie machen das Private?

 

DANIEL WILD

Die UNO hat sich 2015 der Aufgabe angenommen, die Weltwirtschaft auf nachhaltigere Pfade zu bringen und gleichzeitig den globalen Wohlstand auf ein höheres Niveau zu hieven. Als Mittel dazu wurde die Agenda 2030 mit insgesamt 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) entwickelt und mit der Unterschrift aller 193 UNO-Mitgliedstaaten verabschiedet. Das Inkrafttreten der Agenda 2030 und der SDG im darauffolgenden Jahr gab dem Thema nachhaltiges Wirtschaften enorme Dynamik.

Die SDG sind einen wichtigen Schritt hin zu einer breiter gefassten Verantwortung für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Anstatt nur die Regierungen in die Pflicht zu nehmen, setzt die UNO bewusst auf das Engagement einer breiten Basis, die auch Unternehmen, institutionelle und private Anleger umfasst. Dadurch weisen die SDG Firmen und dem Finanzsektor eine erheblich grössere Rolle in der nachhaltigen Förderung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung zu.

Nach Angaben der Finanzinitiative des Umweltprogramms der UNO (UNEP FI) sind bis 2030 jährliche Investitionen von rund 5 bis 7 Billionen Dollar erforderlich, um die SDG zu realisieren. Diese Mittel werden in erster Linie aus dem privaten Sektor kommen müssen. Investitionen in die SDG sind daher ein gesellschaftlicher Imperativ, eine wirtschaftliche Notwendigkeit und leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigeren Entwicklung.

Gleichzeitig verkörpern die SDG eine milliardenschwere Anlagechance für Investoren, die mit ihren Vermögen eine messbare positive Wirkung (Impact) sowie attraktive Renditen erzielen möchten. Durch die jährlich erforderlichen 5 bis 7 Billionen Dollar Investitionen werden auch Unternehmen profitieren, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen die Realisierung der SDG unterstützen – und mit den Unternehmen werden auch ihre Investoren gewinnen. Dank den SDG und den konkreten 232 SDG-Indikatoren haben private Anleger, institutionelle Investoren und Stiftungen erstmals eine genaue Handhabe, wie ihr Vermögen einzusetzen ist, um die SDG zu unterstützen und damit eine messbare positive Wirkung zu erzielen.

Bereits haben sich grosse ausländische Pensionskassen, beispielsweise die niederländische PGGM (mit 205 Milliarden Euro Vermögen) oder die APG (mit 439 Milliarden Euro Vermögen) sowie schwedische Institutionen (der Versicherer Folksam oder die Pensionskasse AP7) öffentlich dazu bekannt, ihre Gelder so anzulegen, dass damit die SDG unterstützt werden. Andere Pensionskassen und Staatsfonds dürften den Beispielen folgen. Sie alle wollen mit ihren Vermögen Impact Investing entlang der SDG betreiben.

Das bekannte Netzwerk für Impact Investing (Global Impact Investing Network oder GIIN) definiert Impact Investing als «Investitionen in Unternehmen, Organisationen und Fonds mit der Intention, messbare soziale und ökologische Auswirkungen sowie eine finanzielle Rendite zu erzeugen».

Das globale Impact-Investing-Marktvolumen betrug Ende 2016 248 Milliarden Dollar und ist Teil des viel grösseren Sustainability-Investing-Markts, der global 22,8 Billionen Dollar umfasst. Allerdings wuchs Impact Investing zwischen 2014 und 2016 mit 146 Prozent am stärksten, gemäss der Studie «Global Sustainable Investment Review 2016». Die Zahlen werden sich, nicht zuletzt dank den SDG, weiter massiv erhöhen.

Heute kann Impact Investing via verschiedene Vermögensklassen getätigt werden, einschliesslich börsenkotierter Aktien. Die Behauptung, dass Anlagen in börsennotierte Instrumente weniger wirkungsvoll sind als ausserbörsliche Impact Investments, bestritt jüngst erneut eine Studie der Wharton School of the University of Pennsylvania. Dafür spreche allein das weitaus grössere Gewicht des an den weltweiten Börsen angelegten Kapitals. So werde das wachsende Anlegerinteresse zu bestimmten Impact-Themen wie beispielsweise den SDG grossen Druck auf die Berichterstattung und Praktiken der Unternehmen ausüben. So erstaunt es auch nicht, dass die ersten Grosskonzerne (beispielsweise und nicht abschliessend Novozymes, 3M, Samsung, GM) ihre offiziellen Berichterstattungen bereits mit den SDG verknüpften.

Der Anspruch moderner Anleger

Impact Investing wird in den nächsten zwanzig Jahren die treibende Kraft der Kapitalmärkte werden und unsere Gesellschaft und Umwelt positiv verändern. Dank den SDG erhalten auch Pensionskassen die Orientierung, die sie brauchen, wenn sie mit ihrem Franken nebst der Rendite eine positive Wirkung erzielen wollen. Und wer Vermögen im Auftrag investiert, muss sich darauf einstellen, dass sich die Informationsbedürfnisse künftiger Kundengenerationen massiv erhöhen werden. Wer nur mit Renditezahlen vorspricht und kein solides Reporting des Impacts auf Umwelt und Gesellschaft vorweisen kann, ignoriert die Zeichen der Zeit und den Anspruch sophistizierter moderner Anleger.

 

Handelszeitung; 05.07.2018; Ausgaben-Nr. 27; Seite 34; Pensionskassen; DANIEL WILD

Head of Sustainability Investing Research & Development und Mitglied der Geschäftsleitung, Robecosam, Zürich.

 

 

Vergleichbarkeit erhöhen: Inrate ist eine spezialisierte Rating-Agentur und gehört zu Nest.

 

SDG-INVESTING

Den Impact des Vermögens verstehen

Datenlage

Zentraler Aspekt des SDG-Investing via klassische Anlageklassen wie kotierte Aktien oder Unternehmensanleihen ist die Messung, welchen Beitrag ein investierter Franken zur Erreichung der SDG hat. Dazu sind zwingendermassen weitreichende Informationen zu kotierten Unternehmen vonnöten, zu deren Produkten und Dienstleistungen sowie ihren operativen Betrieben. Nur wenige Anbieter haben diese Kenntnisse. Robecosam beispielsweise stützt sich auf den proprietären Datenpool zu finanziell relevanten Nachhaltigkeitsinformationen von über 3900 börsennotierten Unternehmen, der seit 1999 Jahr für Jahr aktualisiert, erweitert und unter anderem für die Dow Jones Sustainability Indices verwendet wird.

Fonds

Im kürzlich lancierten Robecosam-Fonds Global Sustainable Impact Equities wurde die in über 22 Jahren aufgebaute Expertise des thematischen Investierens angewendet, um Firmen zu identifizieren, die Lösungen für die drängendsten Herausforderungen bieten. Gepaart mit den Informationen aus dem Datenpool werden Firmen identifiziert, die einen signifikanten, messbaren und positiven Beitrag zur Realisierung der SDG leisten. Zudem kann ein detailliertes Reporting erstellt werden, das den Investorenwunsch erfüllt, den Impact ihres Vermögens zu verstehen.

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