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Was Sie über eine vorzeitige Pensionierung wissen müssen

Mit der Frühpensionierung geht für viele ein Traum in Erfüllung. Auf dem Weg zu einem frühen und möglichst sorglosen Ruhestand gibt es aber einige wichtige Grundsätze zu beachten. Tipps dazu finden Sie in diesem Artikel. 

Ratgeber Wer sich den Traum der Frühpensionierung erfüllen möchte, sollte einige Aspekte beachten. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Vorsorge.

Rund jeder zweite Berufstätige möchte sich vorzeitig pensionieren lassen – dies das Ergebnis von Umfragen bei verschiedenen Arbeitnehmern. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Arbeitsstress, Zwangspensionierung, zu wenig Freiheit oder etwa eine angeschlagene Gesundheit. Allerdings scheitert das Vorhaben einer vorzeitigen Pensionierung oft an den finanziellen Voraussetzungen. Umso wichtiger also, sich möglichst früh und umfassend mit den Konsequenzen dieses wichtigen Schrittes auseinanderzusetzen. Folgende Fragen sind unter anderen zu klären.

Sind freiwillige PK-Einkäufe zur Finanzierung einer Frühpensionierung sinnvoll?
Mit Einkäufen in die Pensionskasse können fehlende Beitragsjahre oder Lohnerhöhungen in der Pensionskasse ausgeglichen werden. Personen, die vorzeitig in Pension gehen, können die daraus entstehenden Leistungskürzungen der Pensionskasse vorfinanzieren, sofern das Reglement diese Möglichkeit zulässt. Wer sich jedoch in die Frühpension einkauft und dann trotzdem länger arbeitet, verliert unter Umständen die freiwillig einbezahlten Einkäufe. Abklärungen bei der Pensionskasse und eine Planung der Einkäufe sowie die Abstimmung auf andere Vorbereitungsmassnahmen sind auf jeden Fall zu empfehlen. Einkäufe dürfen vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Um die Steuerprogression optimal zu brechen, verteilen Sie den Einkauf auf mehrere Jahre. Wurden Einkäufe getätigt, so dürfen die daraus resultierenden Leistungen innerhalb der nächsten drei Jahre nicht in Kapitalform bezogen werden. Bei einem vollumfänglichen Rentenbezug ist diese Sperrfrist nicht relevant.

Kann ich die PK-Rente bei Frühpensionierung aufschieben?
Die meisten Pensionskassen lassen diese Möglichkeit nicht zu. Im Normalfall muss bei einem Austritt aus der Pensionskasse nach Erreichen des frühestmöglichen Pensionierungsalters das Sparkapital oder die Altersrente bezogen werden.

Soll ich eine Rente oder eine Kapitalleistung beziehen?
Dies ist die wohl am häufigsten gestellte Frage rund um die Pensionierung. Die versicherte Person kann sich im Minimum einen Viertel des vorhandenen BVG-Altersguthabens als Kapitalleistung auszahlen lassen. Den Pensionskassen steht es frei, über diesen Anteil hinauszugehen und den Kapitalbezug bis zur Höhe des gesamten Altersguthabens zu ermöglichen. Dabei handelt es sich jedoch um eine freiwillige Leistung, die im Reglement der Pensionskasse vorgesehen sein muss. Trotz der Möglichkeit, sich die Pensionskassenleistung als Kapital auszahlen zu lassen, ist die Pensionskassenrente noch immer die am häufigsten gewählte Variante in der beruflichen Vorsorge.
Die Entscheidung, ob Sie eine lebenslange Rente oder eine einmalige Kapitalleistung beziehen werden, ist von grosser Tragweite, bei der Ihre persönliche Familien- und Vermögenssituation und Ihre Ziele und Wünsche eine wichtige Rolle spielen. Patentlösungen gibt es keine. In vielen Fällen ist weder ein reiner Renten- noch ein reiner Kapitalbezug, sondern eine Kombination aus beidem die beste Lösung. Grundsätzlich empfiehlt sich die Rente für Pensionierte, die den grössten Teil ihres zukünftigen Einkommens durch die AHV und die Pensionskasse abdecken müssen. Der Kapitalbezug ist dann eher sinnvoll, wenn zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen und ausreichend Erfahrung in der Kapitalanlage vorhanden ist.

Was passiert mit meiner PK-Rente, wenn ich nach der Frühpensionierung wieder eine Erwerbstätigkeit aufnehme?
Nach einer vorzeitigen Pensionierung ist eine Wiederanstellung aus Sicht der Pensionskasse möglich, ohne dass die Rentenzahlung eingestellt wird.

Wie hoch sind die AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige?
Die Höhe des Vermögens und diejenige des jährlichen Renteneinkommens bestimmen die AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige. Sie bewegen sich zwischen 482 (Minimum) und 24100 Franken (Maximum) pro Person. Als Basis dient die kantonale Steuerveranlagung. Melden Sie sich auf jeden Fall bei Ihrer AHV-Zweigstelle und füllen Sie eine Anmeldung für nicht erwerbstätige Personen aus. Vergessen Sie nicht, die AHV-Beiträge in der Steuererklärung vom steuerbaren Einkommen abzuziehen.
Frühpensionierte müssen keine eigenen AHV-Beiträge zahlen, wenn ihr Ehepartner im Sinne der AHV erwerbstätig ist und zusammen mit dem Arbeitgeber mindestens 964 Franken (doppelter Mindestbeitrag) pro Jahr in die AHV einzahlt. Diese Regel können sich Ehepaare zunutze machen: Wenn einer der beiden Partner ein Teilzeitpensum von mehr als 50 Prozent beibehält, kann er seinen Partner von der Beitragspflicht entbinden. Teilzeitangestellte mit einem Pensum von weniger als 50 Prozent anerkennt die AHV nur als Erwerbstätige, wenn die Beiträge, die sie und ihr Arbeitgeber leisten, höher sind als die Hälfte der Beiträge, die sie als Nichterwerbstätige schulden würden. Ein Frühpensionierter mit einem kleinen Teilzeitpensum, das diese Bedingung erfüllt, zahlt deshalb AHV-Beiträge nur auf seinem Teilzeiteinkommen und nicht auf Basis seiner Renteneinnahmen und des Vermögens.

Kann ich weiterhin Beiträge in die Säule 3a einzahlen?
Ja, falls Sie noch einen Nebenjob haben, können Sie auf der Basis dieses Einkommens weiterhin Beiträge in die gebundene Vorsorge 3a einzahlen – Männer bis zur Vollendung des 70. und Frauen bis zum 69. Lebensjahr.

Zentralschweiz am Sonntag; 14.04.2019; Adrian Bienz und Silvia Steiner

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