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Weshalb die Zahl der Pensionskassen abnimmt

Heute unvorstellbar: 1978 gab es in der Schweiz noch über 10'000 Pensionskassen – per Ende 2016 waren es noch 1713. Die Gründe dazu und wie die Dichte der Vorsorgeeinrichtungen in anderen Ländern ist lesen Sie in folgendem Artikel.

Die Zahl der Pensionskassen sinkt weiter​

Neue Zürcher Zeitung; 08.01.2018;  Michael Ferber

Märkte und Meinungen. Per Ende 2016 gab es in der Schweiz noch 1713 Vorsorgeeinrichtungen, ein Jahr zuvor waren es noch 1782 gewesen.
Dies hat das Bundesamt für Statistik im Dezember mitgeteilt. Damit setzt sich ein jahrzehntelanger Trend fort: Die Zahl der Pensionskassen in der Schweiz sinkt und sinkt. Laut der im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) erstellten Website «Geschichte der sozialen Sicherheit» gab es im Jahr 1978 in der Schweiz mehr als 10000 Kassen. Dies habe vor allem an der Zunahme von Gruppenverträgen gelegen, die Lebensversicherungen im Auftrag von kleinen und mittelgrossen Unternehmen verwalteten.

Die Einführung des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) im Jahr 1985, mit dem die berufliche Vorsorge für obligatorisch erklärt wurde, habe indessen eine Trendwende eingeleitet. So hätten viele «Fürsorgefonds» danach ihre Tätigkeit eingestellt, da sie den Anforderungen des BVG nicht entsprochen hätten. Dies war lange eine der wichtigsten Ursachen für die sinkende Zahl der Vorsorgeeinrichtungen. Im Laufe der Jahre kamen aber neue Gründe hinzu. Diese wirken weiter fort und machen es wahrscheinlich, dass sich der Trend zur Abnahme bei der Zahl der Schweizer Pensionskassen in den kommenden Jahren fortsetzt.

Als wichtiger Treiber für die geringer werdende Zahl an Pensionskassen gilt neben Unternehmensfusionen und -verkäufen die zunehmende Komplexität der beruflichen Vorsorge. Die wachsende Regulierungslast trägt dazu bei, dass Arbeitgeber Vorsorgeeinrichtungen zumachen und sich Sammelstiftungen oder Gemeinschaftseinrichtungen anschliessen. Sammeleinrichtungen haben in den vergangenen Jahren grosse Zahlen an Versicherten hinzugewonnen.

Auch Generationenwechsel bei Firmenpensionskassen dürften bei der abnehmenden Anzahl an Vorsorgeeinrichtungen eine Rolle spielen. Werden Pensionskassen-Geschäftsführer pensioniert, stellt sich oft die Frage, ob das Vorsorgewerk eigenständig fortgeführt wird oder ob man sich einer Sammeleinrichtung anschliesst. Vorsorgespezialisten gehen davon aus, dass es aufgrund gewisser Fixkosten mindestens 300 Versicherte braucht, um eine Pensionskasse zu betreiben.

Zudem stellt das Umfeld mit ultraniedrigen Zinsen die Verantwortlichen in den Pensionskassen vor erhebliche Herausforderungen bei der Vermögensanlage. Die hohen Renditen von Aktien- und Immobilienanlagen haben in den vergangenen Jahren diese Schwierigkeiten etwas übertüncht. Grundsätzlich ist aber weiter nicht auszuschliessen, dass für die kommenden Jahre eine Art «Renditewüste» droht. Mögliche Unterdeckungen bei ihren Vorsorgeeinrichtungen sind Risiken für Unternehmen – gerade KMU entledigen sich dieses Problems lieber heute als morgen.

Auch in anderen Ländern mit kapitalgedeckten Systemen der beruflichen Vorsorge war in den vergangenen Jahren ein Rückgang bei der Zahl der Vorsorgeeinrichtungen zu beobachten. Laut einem Bericht des Fachorgans «Investment & Pensions Europe» vom August vergangenen Jahres erwartet die niederländische Zentralbank DNB, dass die Zahl der Pensionsfonds in dem Land auf knapp mehr als 200 zurückgehen dürfte. Im Jahr 2007 waren es laut dem Bericht noch 713 gewesen. Als Gründe für die Liquidation bzw. Fusion von Vorsorgeeinrichtungen gelten die steigenden Kosten der Vorsorge, rechtliche Anforderungen, die Schwierigkeit, qualifizierte Persönlichkeiten für die Einrichtungen zu finden, sowie die finanzielle oder demografische Situation von Einrichtungen. Fusionen von Unternehmen spielten ebenfalls eine Rolle. Die internationale Organisation OECD wies 2016 in einem Bericht darauf hin, dass in 15 ihrer Mitgliedsländer – darunter 14 in Europa – die Zahl der Pensionsfonds im Jahr 2015 im Vergleich mit 2005 gesunken sei.

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