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Wohneigentum und Pensionierung: Was gilt es zu beachten?

Nach der Pension müssen die Betroffenen oft mit einem kleineren Einkommen rechnen. Wohneigentümer sind daher gut beraten, sich im Rentenalter mit der Tragbarkeit des Eigenheimes auseinanderzusetzen. Oft fürchten die Eigenheimbesitzer, dass die Bank die bestehende Hypothek kündet, oder dass die Aufnahme einer neuen Hypothek im Rentenalter nicht möglich ist. In diesem Artikel werden Mythen zum Thema Zwangsverkauf und Hypothek widerlegt.

 

Sind Hypotheken im Pensionsalter kein Thema mehr? Im Gegenteil. Wir räumen mit den zwei häufigsten Mythen auf.

Endlich pensioniert! Endlich Zeit für Reisen, für die Hobbys und für die Familie. Grund genug also, sich auf die bevorstehenden Jahre zu freuen. Erst recht, wenn man im eigenen Heim wohnt. Denn wer will nicht in der gewohnten Umgebung älter werden? Und das, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass einem eines Tages gekündigt wird? Nicht zuletzt haben viele Hauseigentümer ihre Hypothek über Jahre amortisiert und leben jetzt vergleichsweise günstig in den eigenen vier Wänden.

Böse Überraschung
Da ist es eine böse Überraschung, wenn man erfährt, dass man sich sein Haus oder seine Wohnung nur noch knapp oder gar nicht mehr leisten kann. Wie ist das möglich? Mit der Pensionierung sinkt in der Regel das Einkommen – und zwar im Schnitt um rund 30 bis 40 Prozent. Das hat wiederum zur Folge, dass die finanzielle Tragbarkeit des Wohneigentums geschmälert wird. Die Regel besagt, dass Zinsen, Amortisationen sowie Neben- und Unterhaltskosten höchstens 35 Prozent der Nettoeinkünfte ausmachen dürfen. Gut zu wissen: Bei dieser Berechnung verwenden die Banken nicht den aktuellen, sehr tiefen Hypothekarzins, sondern vorsichtshalber einen langfristig höheren Durchschnittswert – den sogenannten kalkulatorischen Zinssatz. Konkret heisst das: Die Banken rechnen mit 4,5 bis 5 Prozent. Für die Unterhalts- und Nebenkosten veranschlagen sie zudem pauschal 0,5 bis 1 Prozent des Verkehrswerts der Liegenschaft.

Mythos: Zwangsverkauf
Da kann man schon an seine finanziellen Grenzen stossen, und so ist die Angst bei manchen Immobilienbesitzern gross, dass sie ihr geliebtes Eigenheim gegen ihren Willen verkaufen müssen. Dieser Mythos wird auch fleissig geschürt, obwohl die Praxis ganz anders aussieht. Zwangsverkäufe lassen sich in aller Regel vermeiden, wenn man regelmässig die Zinsen zahlt und sich frühzeitig beraten lässt. Bereits im Alter von 50 Jahren kann analysiert werden, wie die Situation nach der Pensionierung mutmasslich aussehen wird. Und welche Massnahmen ergriffen werden können, um die Höhe der Hypothek auf ein tragbares Niveau zu bringen. Beispielsweise indem die jährlichen Rückzahlungsbeträge (Amortisationen) erhöht werden. Und was kann man tun, wenn trotzdem die finanzielle Tragbarkeit im Zeitpunkt der Pensionierung nicht gegeben ist? Auch hier lässt sich in der Regel eine Lösung finden wie z.B. die Berücksichtigung freier Vermögenswerte oder eine Solidarschuldnerschaft (siehe Box «Tragbarkeit»).

Mythos: keine Hypothek im Alter
Wer auch nach der Pensionierung im Eigenheim wohnen bleibt – und das tun die meisten –, wird früher oder später die in die Jahre gekommene Immobilie sanieren oder renovieren müssen. Oder es steht ein Umbau an, um die eigenen vier Wände altersgerecht zu gestalten, damit man möglichst lange selbstständig zu Hause wohnen kann. In all diesen Fällen ist eine Aufstockung der Hypothek eine gute Lösung – sofern die finanzielle Tragbarkeit garantiert ist. Der Mythos, dass man im Pensionsalter grundsätzlich keine Hypothek mehr erhält, ist also falsch. Einzig eine Zweithypothek ist gemäss branchenüblichen Regeln mit Erreichen des Pensionierungsalters keine Option mehr. Konkret heisst das, dass die Belehnung maximal 67 statt 80 Prozent betragen kann. Dies ergibt durchaus Sinn, weil ja in der Regel das Renteneinkommen tiefer ist als das Erwerbseinkommen während der beruflichen Tätigkeit.
Fazit: Der Mythos des Zwangsverkaufs im Alter ist ebenso falsch wie der Mythos, wonach Pensionierte keine Hypothek mehr erhalten. Wichtig ist in jedem Fall, dass man sich frühzeitig beraten lässt und die nötigen Massnahmen ergreift, um auch im wohlverdienten Ruhestand ohne finanzielle Probleme in seinem Eigenheim leben zu können.
Gut beraten, können Wohneigentümer sorglos in die Zukunft blicken.

SonntagsZeitung; 09.06.2019

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