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Wovon die Dicke des Rentenpolsters abhängt

Folgender informativer Artikel ist kürzlich in der Finanz und Wirtschaft erschienen. Darin ist zu lesen, wovon die schlussendliche Rentenhöhe eigentlich abhängt. Fazit: Nicht nur der Umwandlungssatz bestimmt, wie gross die Rente dereinst wird.

Wo das Rentenpolster dicker ist

Finanz und Wirtschaft; 24.06.2017; Seite 13; Vorsorge; THOMAS HENGARTNER

Die spätere Pensionskassenrente hängt mehr von der Höhe der jährlichen Einzahlung ab als vom Umwandlungssatz. Das Gesetz regelt das Minimum. Die tatsächlichen Sparbeiträge sind je nach Betrieb und Pensionskasse höchst divers.

Die berufliche Vorsorge ist in der Schweiz Pflicht, doch der Einzelne hat keine freie Wahl der Pensionskasse. Jeder und jede muss die vom Arbeitgeber gewählte Vorsorgelösung akzeptieren. Sie bestimmt weit mehr als der viel diskutierte Umwandlungssatz, wie dick das Rentenpolster dereinst wird.

Die Höhe der lohnabhängigen Sparbeiträge ist in der Schweiz höchst unterschiedlich. Das Pensionsguthaben eines 44-jährigen Beschäftigten des Versicherers Swiss Re wächst jährlich um 23% des versicherten Lohns. So viel zahlen Arbeitgeber und Beschäftigte zusammen auf dessen Pensionskassenkonto.

40 Jahre lang 10 Prozentpunkte mehr

Bei den schweizerischen Betrieben des Industriekonzerns Siemens beispielsweise beträgt das Alterssparen für eine gleichaltrige Person nur 13%. Das Berufliche-Vorsorge-Gesetz legt für dieses Alter die Mindestvorgabe gar auf lediglich 10% des versicherten Lohns.

Manche Arbeitgeber schultern den überwiegenden Teil der Jahresrate, andere halten sich an die gesetzlich vorgesehene 50:50-Lösung.

Wenn über ein Erwerbsleben betrachtet jährlich 10 Prozentpunkte mehr des versicherten Lohns in die Pensionskasse fliessen, resultiert nach vierzig Beschäftigungsjahren ein wesentlich höheres Altersguthaben. Deutlich höher fällt dann auch die Rente aus, die aus diesem Guthaben mit dem Umwandlungssatz berechnet wird.

Sparvarianten besser nutzen

Wichtig zu wissen ist, dass der BVG-versicherte Lohn nur den Teil einer Jahresvergütung umfasst, der über der Eintrittsschwelle von rund 21 000 Fr. liegt. Das Gesetz sieht zudem vor, dass für die Altersstufen zwischen 25 und 65 Jahren eine progressive Beitragsstaffelung angewendet wird. Sie reicht von mindestens 7% für die 25- bis 34-Jährigen, über 10 und 15% bis schliesslich 18% des versicherten Lohns für die 55- bis 65-Jährigen.

Mit der Reformvorlage Altersvorsorge 2020, die im September zur Volksabstimmung kommt, würde die Mindestvorgabe für die mittleren Altersstufen um insgesamt einen Prozentpunkt angehoben.

Pensionsversicherungsexperte Roland Kirchhofer beobachtet, dass einige Arbeitgeber aus freien Stücken bereit sind, die im Pensionskassenreglement festgehaltenen Sparbeiträge zu erhöhen: «Damit soll bei einer Senkung des Umwandlungssatzes das Rentenniveau zumindest teilweise erhalten bleiben.» Mehrere Vorsorgeeinrichtungen stellen den Versicherten Sparvarianten zur Wahl. Dabei muss gemäss Kirchhofer die arbeitgeberseitige Sparleistung höher sein als allenfalls reduzierte Varianten des Arbeitnehmersparbeitrags, und auch deren niedrigste Variante müsse zumindest die gesetzliche Sparvorgabe erfüllen.

Jahressaläre von weniger als rund 21 000 Fr. sind bislang gar nicht vorsorgepflichtig. Mit der Vorsorgereform würde diese Eintrittsgrenze auf 14 000 Fr. gesenkt. Damit würden weniger Teilzeitarbeitende als heute davon ausgeschlossen, überhaupt ein eigenes Vorsorgevermögen aufzubauen. Für alle anderen würde sich derjenige Teil des Salärs vergrössern, auf dem lohnabhängige Sparbeiträge auf das Pensionskassenkonto fliessen. So würde die Rentendecke für alle etwas dicker.

PENSIONS-KASSEN-STURZ

Die Vermögen der Pensionskassen sind zur Jahresmitte gut im Schuss. Der Obligationenbestand – die wichtigste Portfoliokomponente – hält sich wertmässig stabil. Die Aktienanlagen, die in der Regel rund 30% eines Kassenvermögens umfassen, stehen weit im Plus. Ausgehend vom Pictet BVG-Index- 25, der ein Mischportefeuille mit 25%-Aktienquote nachbildet, haben die Pensionskassen derzeit brutto etwa 3,5% Performance auf den Büchern.

Wie die Pensionskassenmanager mit der diesjährigen Aktienhausse umgehen, lässt sich nicht generell beantworten. Der deutliche Anstieg der Börsen verschiebt die relativen Gewichte der Anlageklassen im Portefeuille, falls nicht gegengesteuert wird. Verbreitet in Pensionskassenkreisen ist das Rebalancing-Konzept. Es sieht vor, in regelmässigen Abständen durch Verkäufe aufwertender Anlageklassen zur strategisch gewählten Portfolio- und Risikostruktur zurückzufinden.

Ende 2016 lag gemäss dem Beratungsunternehmen Complementa die reale Aktienquote der Pensionskassen mit 30,7% um 0,7 Prozentpunkte über der durchschnittlichen Zielgrösse. Mit der Hausse dieses Jahres sei der Aktienanteil in den Portfolios potenziell 2 Prozentpunkte gestiegen, sagt auf Anfrage Complementa-Analysechef Andreas Niedermann.

Er geht aber davon aus, dass die Pensionskassen gleich wie in den Vorjahren Gewinne mitgenommen haben. «Deshalb ist der effektive Vermögensanteil der Aktien wohl nur 0,6 Prozentpunkte höher.» In den letzten Jahren sei jeweils der Grossteil der Aktiengewinne realisiert worden. Einige Kassen hätten aber wegen des Niedrigzinsumfelds die Zielgrösse der Aktien leicht erhöht. So sei die strategische Quote teilweise auf die reale Grösse nachgezogen worden.

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