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Dass die berufliche Vorsorge in der Schweiz nach Meinung der neuen Oberaufsichtskommission stabil ist, ging seit gestern zur Genüge durch die Medien. Unter dem Titel «Der Umwandlungssatz ist zu hoch»  hat das St. Galler Tagblatt das Thema heute noch vertieft, durch ein Interview mit dem Präsidenten der Kommission:
Moneycab veröffentlichte gestern das folgende Interview mit ASIP-Direktor Hanspeter Konrad. Darin spricht er die Notwendigkeit an, die Weichen für die Zukunft der zweiten Säule richtig zu stellen. Man könne zum Beispiel nicht immer mehr regulieren und gleichzeitig die Kosten senken wollen. Ausserdem müsse der Mindestzins entpolitisiert und der Umwandlungssatz gesenkt werden. Beim Kosten-Nutzen-Vergleich zwischen verschiedenen Anbietern dürfe man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.
Schweizer Versicherung berichtet unter dem Titel "Pensionskassenverwalter mit mehr Stressresistenz" am 30.12.2011 über die aktuellen Herausforderungen der Anlagestiftungen und erklärt dabei gerade auch noch, was Anlagestiftungen sind:
Viel war in den letzten beiden Jahren die Rede von den Verwaltungskosten der beruflichen Vorsorge. Gerade im Zusammenhang mit den - aufgrund des Marktumfelds notwendigen - Senkungen von Mindestzins und Umwandlungssatz kam immer wieder die Forderung auf, die Kosten zu senken. Der Kassensturz berichtete letzte Woche, die Verwaltung koste 3.9 Milliarden Franken pro Jahr, eine vor einer Woche veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Sozialversicherungen BSV und des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO kam auf nur rund 1,8 Milliarden Franken pro Jahr. Auf den ersten Blick ist das verwirrend. Wie sind die Unterschiede zu erklären? - Ganz einfach. Es handelt sich um verschiedene Arten von Kosten.
Heute veröffentlichte der ASIP seine Fachmitteilung Nr. 88 zur Umsetzung der Strukturreform, Abgabe von Vermögensvorteilen und Rückforderung von Retrozessionen: Im Zusammenhang mit der Umsetzung der Strukturreform in der beruflichen Vorsorge hat der Bundesrat Bestimmungen über die Zulässigkeit und Offenlegung von Vermögensvorteilen, welche Personen im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit für die Pensionskasse (PK) erzielen, erlassen. Gemäss Art. 48k BVV 2 müssen u.a. die Art und Weise der Entschädigung und deren Höhe für Personen/Institutionen, die mit der Vermögensverwaltung beauftragt sind, in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten werden; die Entschädigung muss eindeutig bestimmbar sein. Zudem ist der Beauftragte verpflichtet, sämtliche Vermögensvorteile, die er darüber hinaus im Zusammenhang mit der Ausübung der Tätigkeit für die PK erhält, derselben abzuliefern.
Keine Frage, die Kosten müssen gesenkt werden, wo immer möglich. Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie, über die die Aargauer Zeitung heute berichtet. Die Studie sagt aber auch klar und deutlich, dass dies alleine die Probleme nicht lösen würde:
Selbstredender Auszug vom Diskussionsforum des Kassensturz zum gestrigen Bericht: "Selbst öffentliche Kassen wie die Pensionskasse der Stadt Zürich (...)verschweigen ihren (sic!) Kosten", liest man auf der Kassensturz Home-Page zum Thema Verwaltungskosten der Vermögensanlagen. Ein kurzer Blick in den Geschäftsbericht der Kasse, publiziert auf www.pkzh.ch, hätte den recherchierenden (?) Kassensturz-Journalisten allerdings gezeigt, dass hier gar nichts verschwiegen wird. Dort ist nämlich auch der Verwaltungsaufwand in % der Vermögensanlagen aufgeführt (2010: 0,16 %, 2009: 0,14 %).
Als sich der Kassensturz letzten Freitag beim Pensionskassenverband ASIP meldete und darlegte, wie das Thema Pensionskassen in der kommenden Sendung zur Sprache kommen sollte, war eigentlich absehbar, dass die Berichterstattung einseitig und unausgewogen reisserisch ausfallen würde, unter Vernachlässigung wesentlicher Informationen, die ein objektiveres Bild der Situation hätten vermitteln und die Zuschauer hätten richtig informieren können. Die These war gesetzt: "Pensionskassen werfen Geld zum Fenster raus". Man nennt das, was nun folgte "Thesenjournalismus".
"Politik gehört nicht ins Cockpit" sagte vor kurzem der Präsident von AEROPERS, dem Verband der Airbus-Piloten der Swiss International Airlines, als es um die beiden Flughafen-Vorlagen im Kanton Zürich ging. Damit meinte er wohl, dass man sich im Cockpit nicht an politischen Wünschen orientieren darf, wenn man sicher steuern will. sondern an der Realität. Gleiches gilt eigentlich für die zweite Säule.

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