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Es geht nicht nur um die Verwaltungskosten bei Pensionskassen…. Gebetsmühlenartig behauptet Rudolf Strahm seit Jahren und aktuell wieder in der Handelszeitung, die Pensionskassen würden sich nicht um die Vermögensverwaltungskosten kümmern, das Gegenteil trifft zu…. Gestern liess er sogar eine Medienmitteilung mit Kritik an den Behörden verbreiten, sie seien untätig "in Sachen Durchführungskosten" und der Forderung an Sozialminister Alain Berset, eine Rangliste der Pensionskassen nach der Höhe der Kosten einzuführen.
Die Verwaltungs- und Durchführungskosten der zweiten Säule beliefen sich 2017 auf total 5,2 Milliarden Franken. Bezogen auf das verwaltete Kapital von 886 Milliarden Franken macht dies nur knapp 0.6 Prozent. Selbst wenn die Pensionskassen diese Kosten auf Null reduzieren würden, selbst wenn dort alle Angestellten ehrenamtlich und gratis arbeiten würden, machte es doch nur einen Bruchteil dessen aus, was für die dringend notwendige Reform der zweiten Säule benötigt wird.
Der Kassensturz griff heute Abend ein brisantes Thema auf. "Pensionskassen engagieren Broker um neue Versicherte zu gewinnen. Fürs Vermitteln kassieren die Broker saftige Provisionen. Jahr für Jahr." – Das stimmt, aber so einfach, wie es klingt, ist die Situation nicht. Manche Sammel- oder Gemeinschaftsstiftungen müssen wachsen, weil sie zu viele Rentner versichert haben, um einen ausgewogeneren Mix zwischen Rentenbezügern und Beitragszahlern zu erreichen. Eine Sammel- oder Gemeinschaftsstiftung, die wachsen will, kann das auf verschiedene Arten versuchen.
In seinem Kommentar vom Mittwoch zeigte Bundheshausredaktor Markus Brotschi auf, dass einzelne Kompensationsmassnahmen, wie etwa die von den Gewerkschaften vorgeschlagene AHV-Erhöhung, nicht langfristig, beziehungsweise ganzheitlich genug an die Problematik herangehen. Die gegenwärtige Problematik des Schweizer Altersvorsorgesystems gründet nebst der schwierigen Situation auf dem Kapitalmarkt darin, dass das Verhältnis von aktiv Versicherten pro Rentner zukünftig abnehmen wird.
Der von der Schweizer Nationalbank festgelegte Negativzins betrifft uns alle, da er die Pensionskassen mit rund 400 - 450 Mio. Franken pro Jahr belastet. Jede Pensionskasse lagert einen Teil ihres Geldes als liquide Mittel auf der Bank, welche ihrerseits verpflichtet ist, Negativzinsen an die Nationalbank zu zahlen. Die SRF-Rundschau vom 13. Januar ging der Frage nach, ob sich der Negativzins auf Rentengeldern umgehen liesse und sprach mit Heinz Karrer, Präsident von Economiesuisse und Bankrat der Schweizerischen Nationalbank, über die schwierige Situation der Pensionskassen.
Am 18. Januar hat das Bundesamt für Statistik (BfS) die definitiven Ergebnisse der Pensionskassenstatistik 2014 veröffentlicht. Unter anderem zeigte sich, dass im Vergleich zum Vorjahr rund 50% mehr Gelder in die Wertschwankungsreserven geflossen sind. Das gibt den Kassen die Möglichkeit, in Jahren mit schlechteren Anlage-Performances die Unterdeckung gering zu halten. Solche Reserven sind wichtig, um langfristig rentabel zu bleiben, sie sind aber nur möglich, wenn sich der Mindestzinssatz an der durchschnittlichen Rendite über mehrere Jahre orientiert.
An einer Podiumsdiskussion am WEF wurden die Folgen der gestiegenen Lebenserwartung im Hinblick auf das Berufsleben diskutiert. Im Fokus stand dabei eine Studie zum «100 Jahre langen Leben» mit einleuchtenden Thesen. Dass die Renten- und Pensionssysteme heute in den meisten Ländern «unter Wasser» ständen oder, dass das «Drei-Phasen-Leben», bestehend aus Ausbildung, Arbeitsleben und Rente, nicht mehr in Stein gemeisselt sei, sind zwei zentrale Aussagen der Studie.
Der Avenir-Suisse-Vorsorgespezialist Jérôme Cosandey erklärt klar nachvollziehbar, weshalb sich Eingrenzungen des Kapitalbezugs in der zweiten Säule nicht eignen, um die steigenden Ausgaben für Ergänzungsleistungen zu bremsen. Lediglich ein Drittel der Kostenzunahme kann theoretisch mit Kapital-Vorbezug zusammenhängen, bisher wurde jedoch noch keine Korrelation zwischen Kapital-Vorbezug und gestiegenem Anspruch auf Ergänzungsleistungen bewiesen.
Diese beiden Artikel zeigen auf, wieviel Rendite die Versicherer und Pensionskassen erreichen müssen, um den vom Bundesrat festgelegten Mindestzins vollständig finanzieren zu können. Ausserdem wird das Anlageresultat der Pensionskassen im Jahr 2015 besprochen und auf deren finanzielle Perspektiven fürs kommende Jahr hingewiesen. Finanz und Wirtschaft; 04.11.2015 Seite 18 Unternehmen Pensionskassen und Lebensversicherer müssen nächstes Jahr die Pensionsgelder noch zu mindestens 1,25% verzinsen.
In der Diskussion um die Festlegung des von den Pensionskassen auszuzahlenden Mindestzinssatzes ist langfristiges Denken gefragt. Bereits in einem vergangenen Beitrag haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass kurzfristige Reaktionen auf überdurchschnittliche Jahresrenditen der Pensionskassen gefährlich sind. Wichtig ist, dass gute Einzelergebnisse nicht überbewertet werden und der auszuzahlende Betrag in einem gesunden Verhältnis zu den durchschnittlichen Renditen steht, die über mehrere Jahre erwirtschaftet werden.

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