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3,5 Milliarden Franken jährlich werden laut Schätzungen bei den Pensionskassen von Arbeitnehmenden zu Rentenbeziehenden umverteilt. Das muss sein, denn die Rentner erhielten ein Zinsversprechen, das aber heutzutage nicht mehr erwirtschaftet werden kann. Zur Malaise gehört auch der viel zu hohe Umwandlungssatz. Der Druck nimmt zu, die Renditen kaum. Zum Themenkomplex eine Artikel-Kollektion aus der Aargauer Zeitung:
10 Jul 15
mit-uns-fuer-un...
Der Schweizer Bundesrat will die Gewinnmöglichkeiten in der obligatorischen Beruflichen Vorsorge – die so genannte Mindestquote – stärker beschränken. Das trifft vor allem die privaten Versicherer, die für die meisten KMU als Pensionskassen fungieren. Die Branche spricht von einem «Denkfehler», schreibt die Berner Zeitung:
Nach zwanzig Jahren soll nun wieder einmal eine Vorsorgereform gelingen. Eine Schlüsselposition kommt der CVP zu - und vor allem ihrem Ständerat Urs Schwaller: Er will alle an Bord holen, von rechts bis links. Die Bilanz hat am 2. April eine sehr gute Übersicht über den Status der Reform «Altersvorsorge 2020» veröffentlicht:
Im vergangenen November legte der Bundesrat dem Parlament die Botschaft zur Rentenreform «Altersvorsorge 2020» vor. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Senkung des Umwandlungssatzes in der zweiten Säule: Es ist, wie schon oft vermerkt, eine demografische Angelegenheit: Die Pensionskassen verlangen dies, weil der Umwandlungssatz der zunehmenden Lebenserwartung der Versicherten angepasst werden soll. Doch für den Fall, dass der Umwandlungssatz wieder nicht sinken sollte, haben Lebensversicherungen die als PKs vieler KMU tätig sind, Rückstellungen vorgenommen.
Mehr Tempo beim Reform-Projekt «Altersvorsorge 2020» wäre zu begrüssen, schreibt Professor Dr. Martin Eling vom Institut für Versicherungswirtschaft IVW an der Universität St. Gallen. Hier sein Gastkommentar in der monatlichen Branchen-Fachzeitschrift «Schweizer Versicherung» (SV).  
Laut Schweiz am Sonntag bestätigt der Versicherer AXA Winterthur zwar, dass die Risikoprämien für Tod und Invalidität zu hoch sind, was die Pensionskassenabzüge verteuert. Die Mehreinnahmen würden jedoch benötigt, um die laufenden Renten querzusubventionieren, weil der Mindest-Umwandlungssatz zu hoch ist. Der Versicherer Axa Winterthur wehrt sich gegen die anhaltenden Rentenklau-Vorwürfe. «Es gibt in der beruflichen Vorsorge keine versteckten Gewinne», sagt Thomas Gerber, Leiter des Schweizer Lebengeschäfts.
Der Bundesrat hat den Vorentwurf zur Reform der Altersvorsorge verabschiedet und unterbreitet ihn nun Kantonen, Verbänden und Parteien zur Stellungnahme. Er hält fest, die Reform sorge dafür, dass das Leistungsniveau der Altersvorsorge erhalten bleibt, dass die 1. und 2. Säule langfristig ausreichend finanziert sind und dass die Leistungen von AHV und beruflicher Vorsorge den geänderten Bedürfnissen entsprechen, insbesondere in Bezug auf die Flexibilität beim Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand.
Die Berner Zeitung vom 29.10.2013 greift ein brisantes Thema auf. Claude Chatelain äussert sich darin zur wiederholten Attacke von Travailsuisse gegen die Lebensversicherer: Travailsuisse lässt nicht locker: Alle Jahre stellt der Gewerkschaftsdachverband die Lebensversicherer an den Pranger. Er wirft ihnen vor, in der beruflichen Vorsorge zu viel Geld zu verdienen. Allein im letzten Jahr seien es 661 Millionen Franken gewesen, die dem Kreislauf der beruflichen Vorsorge entzogen worden seien. Das Geld fehle nun für die Finanzierung der Renten.
Heute morgen boten die Freiburger Nachrichten dem Leiter Sozialpolitik der Gewerkschaft Travail Suisse eine Plattform, über die Lebensversicherer in der 2. Säule herzuziehen. So sehr seine Kritik daran nachvollziehbar ist, dass Versicherungen auf Vorsorgekapital Gewinne erwirtschaften, so sehr muss man aber auch sagen, dass hier mächtig Demagogie betrieben wird. Es ist halt leider auch viel einfacher, und klingt für schlecht Informierte auch besser, wenn man über böse Lebensversicherer herzieht, als die komplexe Materie korrekt darzustellen.
Der Tages-Anzeiger hat einen Artikel online, der mal wieder die Mär von den bösen Versicherungen bemüht, die alleine die Pensionskassengelder verwalten und sich daran bereichern. Während auch der ASIP kritisiert, dass die Lebensversicherer 10% der Einnahmen anstatt nur 10% des Gewinns aus dem BVG-Geschäfts abschöpfen können ("Legal Quote") , muss doch noch einmal - wie schon so oft in diesem Blog - betont werden, dass die Lebensversicherer nur ca. 30% der Vorsorgegelder verwalten.  70% der Vorsorgegelder werden von autonomen Pensionskassen bewirtschaftet.

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